Zalando schließt Logistikzentrum in Erfurt: 2700 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz
Zalando schließt Erfurter Logistikzentrum – 2700 Jobs weg

Zalando schließt Erfurter Logistikzentrum: 2700 Mitarbeiter verlieren ihren Job

Die Entscheidung traf die Belegschaft völlig unvorbereitet: Das Logistikzentrum des Online-Modehändlers Zalando in Erfurt, bisher größter privater Arbeitgeber der thüringischen Landeshauptstadt, wird offenbar zum 30. September geschlossen. Damit verlieren 2700 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze. Seit dem 19. Januar sind deshalb Mitarbeiter der Erfurter Agentur für Arbeit direkt vor Ort, um die Betroffenen zu beraten und zu unterstützen.

Hassan Hakimi: Ein leidenschaftlicher Mitarbeiter steht vor dem beruflichen Aus

Einer der betroffenen Mitarbeiter ist der 39-jährige Afghane Hassan Hakimi aus Erfurt. „Ich war sehr enttäuscht, als plötzlich verkündet wurde, dass unser Logistikzentrum dichtmacht“, sagt er kopfschüttelnd. „Für mich, für uns alle, sitzt der Schock tief. Unsere Motivation liegt jetzt bei null.“ Hakimi kam 2015 aus Afghanistan nach Deutschland und arbeitet seit 2017 als Lagerist bei Zalando mit unbefristetem Vertrag. Zusätzlich ist er im Unternehmen als Übersetzer tätig – er spricht fünf Sprachen: Paschtu, Dari, Persisch, Englisch und Deutsch.

Als Vater von fünf Kindern im Alter von 5 bis 20 Jahren sieht Hakimi seine Zukunft mit großer Sorge. „Die möchte ich weiter ernähren können – als Arbeitsloser kann ich das nicht. Und weil ich diese große Familie habe, ist Wegziehen in ein anderes Bundesland für mich unmöglich. Meine Kinder gehen hier zur Schule, haben hier ihre Freunde.“ Sein größter Traum, Teamleiter zu werden, muss er nun begraben. Zu seinem Team gehören 200 Mitarbeiter, doch die berufliche Perspektive ist plötzlich zerstört.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Das Logistikzentrum: Vom Hoffnungsträger zum Auslaufmodell

Das Erfurter Zalando-Logistikzentrum wurde im Dezember 2012 eröffnet und bis Sommer 2013 um zwei weitere Hallen erweitert. Auf einer Fläche von 130.000 Quadratmetern stehen Regale mit Waren, die online bestellt wurden und von Erfurt aus an Kunden verschickt werden. Hakimi sorgte hier für einen reibungslosen Ablauf. Das Zentrum war nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Symbol für internationale Vielfalt – Mitarbeiter aus mehr als 70 Nationen arbeiteten hier zusammen.

Arbeitsagentur berät vor Ort mit innovativer Übersetzer-KI

Moritz Michels (23) gehört zu den Mitarbeitern der Arbeitsagentur, die direkt bei Zalando Beratungsgespräche anbieten. „Wir bieten allen Gespräche für jeweils eine halbe Stunde an, von 8 bis 15 Uhr und für Mitarbeiter der Nachtschicht von 6 bis 12 Uhr. Dabei registrieren wir Daten wie Anschrift, Krankenkasse, Kontoverbindung, machen danach die Arbeitslosenmeldungen fertig.“ Verständigungsprobleme gebe es keine, denn: „Wir nutzen eine eigens von der Bundesagentur für Arbeit entwickelte Übersetzer-KI.“

Für Hassan Hakimi sieht Michels gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt – wegen seiner Disziplin, seinem Fleiß und seinen herausragenden Sprachkenntnissen. Hakimi selbst hat schon einen neuen Arbeitgeber im Blick: „Gern möchte ich Teammanager bei Amazon in Erfurt werden. Die haben hier auch ein großes Logistikzentrum!“

Die menschliche Dimension einer betrieblichen Entscheidung

Die Schließung des Zalando-Logistikzentrums zeigt deutlich, wie betriebliche Entscheidungen das Leben tausender Menschen und ihrer Familien beeinflussen. Für viele Mitarbeiter bedeutet der Jobverlust nicht nur finanzielle Unsicherheit, sondern auch den Verlust von Träumen und Perspektiven. Die Arbeitsagentur versucht, mit ihrer vor Ort-Beratung und technologischen Hilfsmitteln wie der Übersetzer-KI den Übergang zu erleichtern. Doch für Familienväter wie Hassan Hakimi bleibt die Situation prekär: „Ohne Arbeit ist das Leben nicht einfach“, sagt er resigniert.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration