Deutsche Exportwirtschaft erleidet schweren Rückschlag zu Jahresbeginn
Die exportstarke deutsche Wirtschaft hat zu Beginn des Jahres 2026 einen deutlichen Dämpfer hinnehmen müssen. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden sanken die deutschen Ausfuhren im Januar um 2,3 Prozent auf einen Wert von 130,5 Milliarden Euro. Besonders alarmierend ist der Einbruch im wichtigen China-Geschäft, wo die Verkäufe um mehr als 13 Prozent einbrachen.
Europa-Geschäft schrumpft deutlich
Nicht nur der Handel mit China entwickelte sich negativ. Auch im europäischen Raum lief es für deutsche Exporteure miserabel. Die Ausfuhren in die Europäische Union schrumpften um 4,8 Prozent auf 71,6 Milliarden Euro. Experten zeigten sich überrascht von der Höhe des Minus, da die Exporte im Vormonat Dezember noch um etwa vier Prozent gestiegen waren.
Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), warnt: „Der deutsche Außenhandel startet schwach ins neue Jahr – und die Risiken nehmen weiter zu.“ Seine größte Sorge gilt dem Krieg im Nahen Osten, der sich bereits auf Energiepreise und Handelsrouten auswirkt.
Iran-Krieg belastet globale Handelsströme
Der Konflikt um den Iran hat erste spürbare Folgen für die Wirtschaft. Erste Störungen im Luft- und Seeverkehr führten bereits zu längeren Transportzeiten und höheren Kosten. Volker Treier von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) findet klare Worte: „Dem deutschen Exportmotor fehlt das Schmieröl. Das Auslandsgeschäft springt nicht an.“
Weltweit kaufen Kunden aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten zurückhaltender ein. Diese Entwicklung trifft die exportabhängige deutsche Wirtschaft besonders hart, da jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland direkt oder indirekt vom Export abhängig ist.
Importe ebenfalls rückläufig
Bei den Importen sieht die Situation ähnlich düster aus. Deutschland importierte im Januar Waren im Wert von 109,2 Milliarden Euro, was einem Minus von 5,9 Prozent zum Vormonat und 4,0 Prozent zum Vorjahr entspricht. Bemerkenswert ist, dass auch die Einfuhren aus China zurückgingen – aus der Volksrepublik kamen Waren im Wert von 14,2 Milliarden Euro, etwa acht Prozent weniger als zuvor.
Unter dem Strich ergibt sich für Deutschland dennoch ein Handelsüberschuss von gut 21 Milliarden Euro. Doch dieser positive Saldo kann nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen, mit denen die deutsche Exportwirtschaft konfrontiert ist.
USA als Lichtblick
Einen positiven Aspekt gibt es im Geschäft mit den Vereinigten Staaten, die das wichtigste Exportland für Deutschland bleiben. Die Verkäufe in die USA wuchsen im Januar um 11,7 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, zeigt sich positiv überrascht: „In Anbetracht der Zollquerelen ist dies durchaus beachtlich.“
Gitzel sieht trotz des schwachen Starts Chancen auf Wachstum, insbesondere dank milliardenschwerer Investitionen in Rüstung und Infrastruktur in verschiedenen Weltregionen.
Drei Hauptprobleme belasten den Export
Die deutsche Exportbranche kämpft aktuell mit drei zentralen Herausforderungen:
- Die drohenden US-Zölle auf europäische Produkte
- Die zunehmende Konkurrenz aus China, das selbst im Außenhandel deutlich zulegt
- Der starke Euro, der deutsche Produkte auf dem Weltmarkt verteuert
Im vergangenen Jahr hatten die Ausfuhren erstmals seit zwei Jahren wieder zugelegt – allerdings hauptsächlich dank eines starken Dezembergeschäfts.
Sorge um steigende Ölpreise und Handelsrouten
Der BGA rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem moderaten Plus von 0,6 Prozent bei den Exporten. Zwar hatten sich die Exporterwartungen zuletzt aufgehellt – der Ifo-Index kletterte im Februar in den positiven Bereich – doch von einer echten Erholung kann keine Rede sein.
Besorgniserregend ist, dass die aktuellen Daten noch von vor der Eskalation des Iran-Konflikts stammen. Der Krieg im Nahen Osten lässt die Sorgen der Wirtschaftsexperten wachsen: Höhere Ölpreise verteuern den Warentransport erheblich – ein ernstes Problem für die exportabhängige deutsche Wirtschaft.
Noch sehen die meisten Unternehmen keine direkten Folgen des Konflikts, wie BGA-Präsident Jandura betont. Doch die Gefahr besteht, dass wichtige Handelsrouten wie die Straße von Hormus blockiert werden könnten. Ökonom Gitzel warnt: „Höhere Energiekosten wären für das globale verarbeitende Gewerbe eine schwerwiegende Belastung.“
Eine geringe Investitionsneige würde gerade die deutsche Industrie deutlich treffen. „Für die Exportwirtschaft wird entscheidend sein, ob sich die Zollkonflikte beruhigen und ob die Ölpreise fallen“, so Gitzels Fazit.
Die deutsche Regierung rechnet für 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0 Prozent. Ob dieses Ziel angesichts der aktuellen Exportentwicklung erreicht werden kann, bleibt fraglich. Die exportabhängige deutsche Wirtschaft steht vor einer herausfordernden Phase, in der geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Veränderungen im Welthandel gleichzeitig bewältigt werden müssen.



