Deutsche Exporte brechen ein: China-Geschäft schrumpft dramatisch - USA als Hoffnungsträger
Exporteinbruch: China-Geschäft schrumpft, USA als Hoffnung

Deutsche Exportwirtschaft erleidet deutlichen Rückschlag zu Jahresbeginn

Die exportstarke deutsche Wirtschaft musste im Januar einen spürbaren Dämpfer hinnehmen. Nachdem die Ausfuhren im Dezember noch um rund vier Prozent zugelegt hatten, sanken sie im ersten Monat des Jahres 2026 überraschend stark um 2,3 Prozent. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldete für Januar Warenverkäufe im Wert von 130,5 Milliarden Euro in alle Welt – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem starken Vormonat.

Besorgniserregende Einbrüche in Schlüsselmärkten

Besonders alarmierend sind die Rückgänge in zwei traditionell wichtigen Absatzgebieten für deutsche Produkte. Die Exporte in die Europäische Union schrumpften um 4,8 Prozent auf 71,6 Milliarden Euro. Noch dramatischer fiel der Einbruch im China-Geschäft aus: Die Ausfuhren in die Volksrepublik brachen um gut 13 Prozent auf lediglich 6,3 Milliarden Euro ein.

„Dem deutschen Exportmotor fehlt das Schmieröl“, kommentierte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier die Entwicklung. „Das Auslandsgeschäft springt nicht an.“ Weltweit herrsche bei vielen Kunden angesichts der großen globalen Unsicherheiten eine ausgeprägte Zurückhaltung.

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USA als Lichtblick in düsterer Handelsbilanz

Einen Hoffnungsschimmer bietet das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Exportland für Deutschland. Trotz anhaltender Zollquerelen wuchsen die Ausfuhren in die USA im Januar um beachtliche 11,7 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro.

„In Anbetracht der Zollstreitigkeiten ist dies durchaus beachtlich“, schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Der verkorkste Jahresstart der Exporteure sollte seiner Ansicht nach nicht fehlinterpretiert werden. Die Vorzeichen seien weiterhin günstig für ein höheres Wirtschaftswachstum, insbesondere mit Blick auf die staatlichen Milliardeninvestitionen in Rüstung und Infrastruktur.

Importrückgänge und Handelsbilanzüberschuss

Auch bei den Importen zeichnete sich im Januar ein Rückgang ab. Nach Deutschland eingeführt wurden Waren im Wert von 109,2 Milliarden Euro – ein Minus von 5,9 Prozent gegenüber Dezember und 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders deutlich sanken die Einfuhren aus China um gut 8 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro.

Insgesamt verzeichnete die deutsche Außenhandelsbilanz einen Überschuss von gut 21 Milliarden Euro. Dieser positive Saldo mildert die negativen Auswirkungen der Exportrückgänge etwas ab, kann aber nicht über die strukturellen Probleme der Exportwirtschaft hinwegtäuschen.

Iran-Krieg als zusätzliche Belastung

Die ohnehin angespannte Lage wird durch die Eskalation im Nahen Osten weiter verschärft. „Der Krieg um den Iran mit seinen Folgen für Energiepreise und Handelsrouten belastet Unternehmen und Bürger“, sagte Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. Erste Störungen im Luft- und Seeverkehr hätten bereits zu längeren Transportzeiten und höheren Kosten geführt.

Besonders besorgniserregend sind mögliche Einschränkungen zentraler Handelsrouten wie der Straße von Hormus, durch die in normalen Zeiten ein Fünftel des globalen Ölbedarfs transportiert wird. „Höhere Energiekosten wären für das globale verarbeitende Gewerbe eine schwerwiegende Belastung“, warnt Ökonom Gitzel.

Strukturelle Herausforderungen für die Exportnation

Die deutschen Exporteure stehen vor multiplen Herausforderungen:

  • Zunehmende Konkurrenz aus China, das selbst mit einem deutlichen Plus im Außenhandel überraschte
  • Anhaltende Zollstreitigkeiten mit den USA
  • Der starke Euro, der deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert
  • Die Unsicherheit durch den Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf Energiepreise

Der traditionell starke Export spielt eine entscheidende Rolle für die angeschlagene deutsche Wirtschaft, die nach Prognose der Bundesregierung dieses Jahr um 1,0 Prozent wachsen soll. Fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt laut Statistischem Bundesamt vom Export ab.

Vorsichtiger Optimismus trotz schwierigem Start

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Exportverband BGA nach früherer Prognose ein Plus von 0,6 Prozent. Ein Indiz für eine mögliche Erholung sind die zuletzt gestiegenen Ifo-Exporterwartungen, die im Februar in den positiven Bereich kletterten.

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Allerdings wurden diese Daten noch vor Beginn des Iran-Kriegs veröffentlicht. „Für die Exportwirtschaft wird entscheidend sein, ob sich die Zollkonflikte beruhigen und ob die Ölpreise fallen“, resümiert Ökonom Gitzel. Sollte sich der Krieg im Iran über Monate hinziehen und die Ölpreise längere Zeit erhöht bleiben, könnten negative Folgen für die Konjunktur nicht ausgeschlossen werden.