Hormus-Blockade: Italien als am stärksten betroffener EU-Staat – Deutschland weniger exponiert
Die Blockade der Straße von Hormus für Handelsschiffe hat weltweit spürbare Folgen, doch innerhalb der Europäischen Union sind die Auswirkungen laut einer aktuellen Auswertung sehr ungleich verteilt. Eine Untersuchung des Wiener Supply Chain Intelligence Institute, des Complexity Science Hub (CSH) und der Universität Delft offenbart, dass sich die Risiken stark auf einige wenige Länder konzentrieren. Italien erweist sich dabei als der am stärksten betroffene EU-Staat.
Italien mit hohen Importen aus blockierten Golfstaaten
Laut der Studie importiert Italien jährlich Waren im Wert von rund 9,8 Milliarden Dollar aus den von der Blockade betroffenen Golfstaaten. Ein erheblicher Teil entfällt dabei auf Flüssiggas aus Katar, das einen Wert von etwa 4,4 Milliarden Dollar pro Jahr aufweist. Hinzu kommt Propan im Wert von circa 3,2 Milliarden Dollar, was die Abhängigkeit des Landes von diesen Lieferungen unterstreicht.
Belgien und das Vereinigte Königreich ebenfalls stark exponiert
Neben Italien wird auch Belgien als „stark exponiert“ eingestuft. Über den Hafen Zeebrugge importiert das Land jährlich katarisches Flüssiggas im Wert von rund 5,8 Milliarden Dollar. Zudem läuft über Antwerpen ein bedeutender Handel mit Diamanten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, was die wirtschaftliche Verletzlichkeit erhöht. Das Vereinigte Königreich weist mit 12,9 Milliarden Dollar pro Jahr sogar die höchste Betroffenheit in Europa auf. Davon entfallen etwa 5,9 Milliarden Dollar auf Gasprodukte aus Katar, was die strategische Bedeutung dieser Handelsroute verdeutlicht.
Deutschland und Frankreich breiter diversifiziert
Im Gegensatz dazu sind Deutschland und Frankreich laut der Auswertung „breiter diversifiziert“. Die Bundesrepublik importiert jährlich Waren im Wert von rund 5,7 Milliarden Dollar aus den betroffenen Golfstaaten. Den größten Anteil haben dabei die Vereinigten Arabischen Emirate mit 4,2 Milliarden Dollar, vor allem durch den Import von Schiffen, Jachten und Industrieausrüstung. Katar trägt mit 0,6 Milliarden Dollar bei, hauptsächlich durch Propan und Spezialgase. Diese Diversifizierung mildert die Auswirkungen der Blockade für Deutschland spürbar.
Langfristige Folgen hängen von der Dauer der Blockade ab
Studien-Mitautor Stefan Thurner betont, dass die wirtschaftlichen Folgen maßgeblich von der Dauer der iranischen Blockade abhängen. Hält sie länger als vier Wochen an, könnten sich Verzögerungen entlang globaler Lieferketten aufschaukeln und zu weiteren Engpässen führen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, alternative Handelsrouten und Lieferquellen zu entwickeln, um die Resilienz der europäischen Wirtschaft zu stärken.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Transportrouten für Rohöl, Flüssiggas und Düngemittel weltweit. Ihre Blockade stellt somit eine erhebliche Herausforderung für die internationale Logistik und Wirtschaft dar, mit unterschiedlich starken Auswirkungen auf die europäischen Staaten.



