Welthandel wächst trotz protektionistischer Maßnahmen
Obwohl die Vereinigten Staaten die höchsten Zollsätze seit dem Zweiten Weltkrieg verhängten, verzeichnete der globale Warenhandel im Jahr 2025 ein bemerkenswertes Wachstum von mehr als sechs Prozent. Dies geht aus einer umfassenden Studie der Unternehmensberatung McKinsey hervor, die über 90 Prozent der weltweiten Handelsströme analysierte. Die Experten kommen zu dem überraschenden Schluss: „Zölle haben Handelsströme umgelenkt – aber nicht gestoppt.“ Als Hauptgründe identifizieren sie die Anpassungsfähigkeit der Länder bei der Suche nach neuen Handelspartnern und den enormen Schub durch den KI-Boom.
Künstliche Intelligenz als Wachstumstreiber
Der Boom der Künstlichen Intelligenz erwies sich als zentraler Motor für den Welthandel. Rund ein Drittel des gesamten Handelswachstums entfiel allein auf Exporte von Halbleitern, Servern und Netzwerktechnik – alles Güter, die für den Betrieb von KI-Rechenzentren unverzichtbar sind. Die Vereinigten Staaten errichteten dabei etwa die Hälfte der weltweit neu geschaffenen Kapazitäten für Rechenzentren. Der US-Handel mit KI-bezogenen Gütern stieg laut Studie um beeindruckende 66 Prozent, was einem geschätzten Volumen von 220 Milliarden Dollar entspricht. „KI schafft damit nicht nur Datenströme – sondern auch Warenströme“, fassen die McKinsey-Berater diesen Trend prägnant zusammen.
Chinas strategische Neuausrichtung
Auch bei China zeichnet sich eine dramatische Veränderung ab. Das Land exportiert zunehmend nicht mehr primär fertige Konsumgüter, sondern stattdessen Maschinen, Komponenten und Industrieausrüstung. Diese Güter bilden die Grundlage für die Produktion in anderen Ländern. Die Studie konstatiert: „China entwickelt sich damit zur ‚Fabrik der Fabriken‘ – einer Rolle, die traditionell von Deutschland besetzt wurde und die nun zunehmend von chinesischen Anbietern übernommen wird.“
Deutschlands Handelsbilanz mit China kippt
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung im Handel zwischen Deutschland und China. Während dieser im Jahr 2017 noch ausgeglichen war, importierte Deutschland im Jahr 2025 doppelt so viel aus der Volksrepublik, wie es dorthin exportierte. Die Analysten stellen fest: „Erstmals importierte Deutschland mehr Autos aus China, als es dorthin verkaufte.“ Immerhin verzeichnet Deutschland positive Entwicklungen im Handel mit der Europäischen Union und einer gesteigerten Nachfrage aus Schwellenländern nach deutschen Maschinen, Zügen und Pharmaprodukten.
Verpasste Chance für Europa
Laut der McKinsey-Analyse hat Europa eine bedeutende Gelegenheit verpasst. Als die USA ihre Importe aus China stark reduzierten, hätte die Europäische Union als Ersatzlieferant einspringen können. Doch die Realität sieht anders aus: Bereinigt um vorgezogene Pharmaimporte deckte die EU weniger als drei Prozent der umgelenkten US-Nachfrage ab. Asiatische Länder und Indien reagierten deutlich schneller und flexibler auf diese Marktveränderungen und konnten so ihre Handelsbeziehungen ausbauen.
Die Studie unterstreicht damit die dynamischen Verschiebungen in der globalen Handelslandschaft, bei denen technologische Innovationen wie die Künstliche Intelligenz eine immer wichtigere Rolle spielen, während traditionelle Handelsmuster sich fundamental verändern.



