Milliardenfund in Ungarn: Ukrainischer Geldtransport beschlagnahmt
Ein spektakulärer Fund beschäftigt derzeit die Behörden in Ungarn und führt zu diplomatischen Verwerfungen mit der Ukraine. Bei einer Kontrolle auf einem Autobahnparkplatz beschlagnahmten Beamte der ungarischen Anti-Terror-Einheit TEK einen Konvoi mit zwei gepanzerten Geldtransportern, die insgesamt 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und 9 Kilogramm Gold im Wert von etwa 1,3 Millionen Euro transportierten. Die sieben ukrainischen Begleiter wurden vorübergehend festgenommen, später jedoch wieder freigelassen.
Ukrainische Staatsbank spricht von ordnungsgemäßem Transport
Laut der ukrainischen Staatsbank Oschadbank handelte es sich bei dem Transport um einen vollständig angemeldeten und dokumentierten Werttransfer von Österreich in die Ukraine. Der Aufsichtsratschef der Bank betonte auf Facebook, der Transport sei „nach internationalen Vereinbarungen“ und „mit allen notwendigen Dokumenten“ erfolgt. Auch die Raiffeisen Bank in Österreich sei in die Transaktion involviert gewesen. Die ukrainische Seite wirft Ungarn vor, die Herkunft der staatlichen Gelder ohne Grundlage infrage zu stellen.
Ungarische Behörden ermitteln wegen Geldwäscheverdachts
Das ungarische Finanzamt NAV hält dagegen an Ermittlungen wegen Geldwäscheverdachts fest. Das beschlagnahmte Bargeld bleibt vorerst in ungarischem Gewahrsam. Außenminister Péter Szijjártó forderte umfassende Aufklärung über die Bargeldtransfers und verwies darauf, dass seit Januar dieses Jahres bereits 900 Millionen Dollar, 420 Millionen Euro und 146 Kilogramm Gold durch Ungarn in Richtung Ukraine transportiert worden seien.
Diplomatischer Konflikt eskaliert
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha beschuldigte Ungarn auf der Plattform X öffentlich der Geiselnahme und des Gelddiebstahls. In seinem Beitrag sprach er von „Staatsterrorismus und Erpressung“ und bemängelte, dass zeitweise kein Kontakt zu den festgesetzten Ukrainern möglich gewesen sei. Diese scharfe Rhetorik spiegelt die angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern wider, die sich bereits in anderen Konflikten manifestieren.
Hintergrund: Streit um russisches Öl und EU-Darlehen
Im Hintergrund des aktuellen Falls schwelt ein weiterer Konflikt um die russische Ölpipeline „Druschba“. Seit Ende Januar ist der Transit russischen Öls nach Ungarn unterbrochen, woraufhin Ungarn ein EU-Darlehen über 90 Milliarden Euro für die Ukraine blockiert. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte in einer Rede bei der MOL-Raffinerie am 5. März an, sein Land werde „politische und finanzielle Mittel“ nutzen, um die Wiederaufnahme der Erdöllieferungen zu erzwingen, und erklärte sogar: „Wir werden den Streit um die Pipeline mit Gewalt gewinnen.“ Ukrainischer Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich laut AP hingegen wenig kompromissbereit und sagte zur Pipeline-Frage: „Ehrlich gesagt: Ich würde sie nicht wiederherstellen.“
Der beschlagnahmte Geldtransport könnte somit zum Zündstoff in einem bereits bestehenden diplomatischen Spannungsfeld werden, das durch wirtschaftliche Interessen und geopolitische Konflikte geprägt ist. Beide Seiten beharren auf ihren Positionen, während die Ermittlungen in Ungarn weiterlaufen.



