35 Jahre Mode für Männer: Wittenberger Geschäft trotzt allen Krisen
35 Jahre Mode für Männer in Wittenberge

„30 Prozent Rabatt auf alles“, lockt ein Schaufenster in der Bahnstraße in Wittenberge. Das Angebot gilt nur kurz: Zum 35-jährigen Bestehen von „Mode für Männer – Krakow“ gewährt Inhaberin Gabriele Braband einen einmaligen Preisnachlass. Doch das Geschäft hat noch einen weiteren Grund zum Feiern: Vor 20 Jahren übernahm Braband den Laden von ihrer Mutter Christa Krakow.

Von der „Exquisit“-Verkaufsstelle zum eigenen Geschäft

„Der Übergang war fließend, die Kunden haben nichts bemerkt“, erzählt Braband. Von Beginn an standen Mutter und Tochter gemeinsam hinter der Theke. Beide brachten Erfahrung aus DDR-Zeiten mit: Christa Krakow leitete zunächst eine Sportabteilung, später führte sie zehn Jahre lang eine „Exquisit“-Verkaufsstelle für Herrenmode. „Das hat mir gefallen“, erinnert sie sich. 1991 übernahm sie den Laden in der Bahnstraße, renovierte ihn und machte sich selbstständig.

Helle Farben statt dunkler DDR-Optik

„In den Exquisit-Läden war es immer ganz dunkel“, sagt Krakow. „Wir haben alles hell gestrichen.“ In den ersten Jahren boomte das Geschäft. „Nach der Wende gab es einen riesigen Nachholbedarf“, erklärt Gabriele Braband. „Die Menschen legten mehr Wert auf ihr Äußeres.“ Mutter und Tochter investierten damals ihr gesamtes Geld in den Laden. „Dazu gehörte Mut – aber auch Angst“, blickt Braband zurück.

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Umzug und Wandel der Mode

1998 zog das Geschäft an den heutigen Standort in der Bahnstraße 26. „Viele Herrenmodegeschäfte sind verschwunden“, bilanziert Christa Krakow. „Wir haben uns immer Mühe gegeben, bis die Kunden zufrieden sind.“ So trotzte der Laden allen Krisen: Bevölkerungsrückgang, Überalterung, Leerstände in der Bahnstraße – etwa in der gegenüberliegenden Prignitz-Galerie. Auch die Einkaufsgewohnheiten änderten sich. Online-Plattformen setzen dem Einzelhandel zu. Seit Corona werden Anzüge und Krawatten meist nur noch zu festlichen Anlässen wie Hochzeiten oder Abibällen getragen. „Jogginghosen und T-Shirts dominieren – das ist nicht immer zum Vorteil für die Menschen und den Handel“, meint Braband.

Zukunft des Einzelhandels: Großstädte ohne Chance

Die Geschäftsinhaberin ist überzeugt: „Den Einzelhandel in seiner jetzigen Form wird es bald nicht mehr geben. In Großstädten hätten wir längst keine Chance.“ Stattdessen würden große Ketten den Markt beherrschen. In Wittenberge läuft es noch – obwohl Braband und ihre inzwischen über 80-jährige Mutter keine Angestellten mehr haben. Die letzte Mitarbeiterin ging vor drei Jahren in Rente.

Nicht klagen, sondern anpacken

Trotz aller Belastungen will Braband nicht jammern. „Man muss überlegen, wie man vorwärtskommt. Ständiges Schimpfen drückt nur die Stimmung.“ Mit diesem Motto feiert das Geschäft nun sein Doppeljubiläum – 35 Jahre Bestehen und 20 Jahre unter neuer Leitung.

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