Deutsche Autoindustrie nach Gewinneinbrüchen: Die Hoffnung auf 2026
Die deutsche Automobilbranche befindet sich in einer tiefgreifenden Umbruchphase. Während bei BMW der Gewinn im vergangenen Jahr lediglich um drei Prozent sank, erlebten Volkswagen und Mercedes-Benz dramatische Einbrüche von fast fünfzig Prozent. Diese Entwicklung wurde durch US-Zölle, den intensiven Wettbewerb auf dem chinesischen Markt und die Unsicherheiten beim Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromobilität ausgelöst. Dennoch zeigen die meisten Prognosen und Branchenexperten für das Jahr 2026 nach oben und signalisieren eine mögliche langsame Erholung.
Die aktuelle Gewinnsituation der großen Drei
Mit einem Gewinn von knapp 7,5 Milliarden Euro hat sich BMW an die Spitze der deutschen Hersteller gesetzt. Der Volkswagen-Konzern, der unter anderem durch seine Sportwagentochter Porsche gebremst wurde, erzielte 6,9 Milliarden Euro, während Mercedes-Benz auf 5,3 Milliarden Euro kam. Trotz dieser Zahlen spricht Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln nicht von einer echten Krise. „Die schreiben alle noch satte Gewinne, die werden alle ihre Dividenden ausschütten“, betont er. „Das ist für mich keine Krise. Eine Krise ist, wenn die anfangen, keine Dividenden mehr auszuschütten und rote Zahlen zu schreiben. So weit ist es nicht.“
Permanente Restrukturierung und Sparprogramme
Unbestreitbar ist jedoch, dass die Lage für die Automobilhersteller alles andere als einfach ist. Die Branche befindet sich laut Schwope in einer „permanenten Restrukturierung“, die wahrscheinlich bis zum Ende des Jahrzehnts andauern wird. Zwar seien die Gewinne vorübergehend auskömmlich, doch die Autobauer müssten wieder profitabler werden. Gewinnmargen von zwei bis drei Prozent, wie sie derzeit bei Volkswagen zu verzeichnen sind, seien auf Dauer schlicht zu niedrig.
Um diese Situation zu verbessern, treiben sowohl Mercedes-Benz als auch Volkswagen umfangreiche Sparprogramme voran. Volkswagen setzt zudem große Hoffnungen in neue Modelle, darunter die Elektro-Einstiegsmodelle um den ID. Polo ab 25.000 Euro, die 2026 auf den Markt kommen sollen. In China soll eine ganze Reihe neuer Elektromodelle, speziell für den lokalen Markt entwickelt, den Niedergang des einstigen Dauer-Marktführers stoppen. Dennoch betont Konzernchef Oliver Blume: „Vor uns liegt noch viel Arbeit.“
Besondere Herausforderungen für Porsche
Die Volkswagen-Tochter Porsche durchläuft derzeit eine teure Kehrtwende in ihrer Produktstrategie. Da sich der Hochlauf der Elektromobilität langsamer entwickelt als erwartet, setzt das Unternehmen wieder stärker auf Verbrennerfahrzeuge. Diese strategische Anpassung kostete im Jahr 2025 etwa 3,1 Milliarden Euro und führte zu einem Gewinneinbruch von mehr als neunzig Prozent. Auch im laufenden Jahr werden diese Maßnahmen das Ergebnis um Hunderte Millionen Euro drücken.
Im Gegensatz dazu profitiert BMW derzeit davon, dass die Münchner ihre Strategie nicht grundlegend anpassen müssen. Der iX3, das erste Fahrzeug der für den Konzern wichtigen Neuen Klasse, steht bereits bei den Händlern, und der i3 soll in Kürze vorgestellt werden. Zwar werden diese Modelle erst im Laufe der Zeit größere Beiträge zum Ergebnis leisten, doch BMW hat den Höhepunkt der Entwicklungskosten bereits hinter sich. Außerdem kommt das Unternehmen weiterhin ohne umfangreiche und kostspielige Stellenabbauprogramme aus, auch wenn die Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr leicht gesunken ist und 2026 weiter leicht zurückgehen soll.
Prognosen für 2026: Übergangsjahre mit Aufwärtstendenz
„2026 und 2027 werden weiterhin Übergangsjahre sein. Aber ich glaube, dass es 2026 eigentlich bei allen wieder etwas besser laufen wird“, sagt Frank Schwope. Die Restrukturierungskosten hätten vor allem die Bilanzen im Jahr 2025 belastet, insbesondere bei Porsche und damit auch bei der Konzernmutter Volkswagen. Diese Belastungen seien nun weitgehend verdaut und würden 2026 nicht erneut die Bilanzen verderben. Auch im Tagesgeschäft könnte es in diesem Jahr wieder etwas besser werden: „Die Elektromobilität dürfte etwas runder laufen“, so seine Einschätzung.
Mögliche Zugeständnisse der EU beim Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor und eine Stabilisierung auf dem chinesischen Markt könnten zusätzliche positive Impulse liefern. Zwar sei ein Comeback der deutschen Hersteller in China nicht zu erwarten, doch dank neuer Modelle könnte sich der Absatz zumindest stabilisieren. „Es gibt Grund zur Hoffnung, dass dort noch nicht alles verloren ist“, meint Schwope. Auch die Restrukturierungsprogramme bei fast allen Herstellern könnten erste Früchte tragen.
Besondere Chancen für Porsche und anhaltende Unsicherheiten
Die besten Chancen für eine Erholung sieht der Branchenexperte bei der Marke, die 2025 am stärksten gebeutelt wurde: Porsche. „Da bin ich sehr zuversichtlich“, sagt er. Es könnte dort schon in diesem Jahr wieder deutlich besser laufen, da sich eine Luxusmarke schlicht schneller sanieren lasse als ein Massenhersteller. „Ein Porsche-Kunde hält zu seinem Auto, ein Opel-Kunde kauft sich einen Chinesen“, erklärt Schwope. Der neue Porsche-Chef Michael Leiters will den Sport- und Geländewagenbauer umfassend neu aufstellen, mit schlankeren Strukturen und einem erwarteten weiteren Stellenabbau. Erste Maßnahmen hat Leiters bereits eingeleitet, im Herbst will er seine Strategie vorstellen.
Dennoch bleiben erhebliche Unsicherheiten bestehen. Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump stellt eine große Unbekannte dar. „Da weiß man ja nie, was morgen oder übermorgen kommt“, sagt Schwope. „Dieses Hin- und Herschlingern der Amerikaner macht es den deutschen Herstellern natürlich nicht einfacher.“ Zudem könnten sich die geopolitischen Risiken, wie etwa eine Ausweitung des Iran-Konflikts, negativ auswirken und alle Hoffnungen zunichtemachen. „Die geopolitischen Risiken sind weiterhin sehr groß und sogar noch größer geworden“, warnt der Experte.
BMWs Vorteil durch US-Präsenz
Ein entscheidender Faktor für die vergleichsweise robuste Performance von BMW im vergangenen Jahr war die starke Präsenz auf dem US-Markt. Die Münchner konnten ihren Absatz dort zuletzt steigern, unterstützt durch ihr US-Werk Spartanburg. Dieses Werk erweiterte seine Produktion auf 413.000 Fahrzeuge und bediente damit mehr als die Hälfte des Absatzes mit vor Ort gebauten Autos – ein erheblicher Vorteil angesichts der angehobenen US-Zölle.
Insgesamt zeigt sich, dass die deutsche Autoindustrie trotz der massiven Herausforderungen des Jahres 2025 mit vorsichtigem Optimismus in das Jahr 2026 blickt. Durch strategische Anpassungen, neue Modelle und fortlaufende Restrukturierungsmaßnahmen könnte die Branche langsam wieder an Stabilität gewinnen, auch wenn die geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten weiterhin bestehen bleiben.



