BMW zeigt sich in der Krise robuster als die deutsche Konkurrenz
Der Münchener Autobauer BMW hat im vergangenen Geschäftsjahr überraschend robuste Zahlen vorgelegt. Während die gesamte deutsche Automobilindustrie mit erheblichen Herausforderungen kämpft, konnte BMW den Gewinnrückgang deutlich besser abfedern als seine beiden großen deutschen Konkurrenten Volkswagen und Mercedes-Benz.
Gewinnentwicklung deutlich über Erwartungen
Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen fiel bei BMW auf 10,2 Milliarden Euro, was einem Minus von 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Nach Steuern liegt der Überschuss sogar nur 3 Prozent unter dem Vorjahreswert bei knapp 7,5 Milliarden Euro. Damit übertraf BMW deutlich die Erwartungen von Analysten, die einen Gewinn unter 7 Milliarden Euro prognostiziert hatten.
Der Umsatz sank allerdings um 6,3 Prozent auf 133 Milliarden Euro, und auch die Prognose für das laufende Jahr 2026 fällt zurückhaltend aus. Dennoch positioniert sich BMW mit diesen Zahlen deutlich besser als die Konkurrenz: Mercedes verzeichnete 2025 einen Gewinn von 5,3 Milliarden Euro, während der deutlich größere Volkswagen-Konzern auf 6,9 Milliarden Euro kam.
Strategische Weichenstellungen zeigen Wirkung
BMW-Chef Oliver Zipse, der mit dieser Bilanz seine letzte Jahresbilanz vorlegt, betonte die strategische Ausrichtung des Unternehmens: "Wir haben uns in den letzten Jahren strategisch richtig aufgestellt. Davon profitieren wir heute: Wir müssen in einem herausfordernden Umfeld nicht umsteuern, sondern können unseren Kurs halten und unsere Strategie weiter konsequent umsetzen."
Ein entscheidender Vorteil für BMW ist die flexible Produktionsstruktur. Die Werke sind so gestaltet, dass auf einem Band Elektroautos, Hybride und Verbrenner entstehen können. Diese Flexibilität hilft, die Unsicherheiten beim Hochlauf der Elektromobilität abzufedern und auf Marktveränderungen schnell reagieren zu können.
Internationale Präsenz als Stabilitätsfaktor
Ein weiterer Pluspunkt ist die internationale Präsenz des Unternehmens. Dank eines eigenen großen Werks in den USA wird BMW von den dortigen Zöllen zumindest teilweise verschont. Im vergangenen Jahr wurden knapp 413.000 Autos in den USA produziert, wovon mehr als die Hälfte auch dort verkauft wurde. Das bedeutet, dass weniger als die Hälfte der in den USA verkauften BMW-Fahrzeuge importiert werden musste.
Während andere deutsche Autobauer Stellenabbauprogramme ankündigen mussten, ist BMW bisher ohne größere Stellenstreichungen durch die Krise gekommen. Diese Stabilität im Personalbereich unterstreicht die vergleichsweise gute Positionierung des Unternehmens.
Wechsel an der Unternehmensspitze
Die vorgelegte Jahresbilanz ist die letzte, die unter der Verantwortung von Oliver Zipse steht. Am 14. Mai 2026 übernimmt sein designierter Nachfolger Milan Nedeljkovic die Führung des Konzerns. Nedeljkovic war bisher Produktionsvorstand - ein Amt, das auch Zipse vor seinem Aufstieg an die Unternehmensspitze bekleidet hatte.
Der neue BMW-Chef ist bereits seit längerem mit einem der wichtigsten Projekte des Unternehmens befasst: der Neuen Klasse. Der erste Vertreter dieser neuen Fahrzeuggeneration, der iX3, wurde bereits vergangenes Jahr vorgestellt und steht seit wenigen Tagen bei den Händlern. Die Nachfrage ist so stark, dass BMW bereits im Januar eine zusätzliche Schicht in der Produktion eingeführt hat.
Vorsichtige Aussichten für 2026
Trotz der vergleichsweise guten Zahlen für 2025 bleibt BMW bei den Aussichten für das laufende Jahr zurückhaltend. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Vorsteuergewinn trotz stabiler Auslieferungen moderat sinken wird. Als Gründe werden Belastungen durch Zölle, Währungseffekte und teurere Rohstoffe genannt.
In Kürze wollen die Münchner zudem das nächste Auto der Neuen Klasse vorstellen: den elektrischen i3 als Gegenstück zum klassischen 3er. Dieses Modell wird für BMW in einem zentralen Volumenbereich positioniert und könnte entscheidend zum weiteren Erfolg der Elektromobilitätsstrategie beitragen.
Insgesamt hinterlässt Oliver Zipse seinem Nachfolger einen Konzern, der sich in der aktuellen Krise der Automobilindustrie bisher deutlich robuster zeigt als die deutsche Konkurrenz. Die strategischen Entscheidungen der vergangenen Jahre tragen nun Früchte und ermöglichen es BMW, in turbulenten Zeiten einen stabileren Kurs zu halten.



