BMW-Abschied von Zipse: Robuste Zahlen trotz Branchenkrise
Zum letzten Mal präsentiert Oliver Zipse als Vorstandsvorsitzender die Jahresbilanz des Bayerischen Motorenwerks. Die Zahlen, die er vorlegt, zeigen ein Unternehmen, das sich erstaunlich widerstandsfähig inmitten der allgemeinen Krise der deutschen Automobilindustrie behauptet. Während Konkurrenten mit massiven Gewinneinbrüchen zu kämpfen haben, verzeichnet BMW lediglich einen moderaten Rückgang.
Stabile Performance trotz schwierigem Umfeld
Der Überschuss des Münchner Konzerns sank im vergangenen Jahr um lediglich 3 Prozent auf knapp 7,5 Milliarden Euro. Diese Entwicklung übertrifft deutlich die Erwartungen von Analysten, die mit einem Gewinn unter 7 Milliarden Euro gerechnet hatten. Allerdings musste BMW auch Umsatzeinbußen hinnehmen: Der Umsatz verringerte sich um 6,3 Prozent auf 133 Milliarden Euro.
Im Vergleich zur Konkurrenz zeigt sich BMW deutlich stabiler. Während sowohl Mercedes als auch Volkswagen ihre Gewinne im selben Zeitraum nahezu halbierten, bleibt der Rückgang bei den Münchnern vergleichsweise gering. Diese Entwicklung katapultiert BMW im Gewinnranking der deutschen Autobauer auf den ersten Platz. Mercedes verzeichnete 2025 noch 5,3 Milliarden Euro Gewinn, der deutlich größere Volkswagen-Konzern kam auf 6,9 Milliarden Euro.
Strategische Vorteile und Standortpolitik
Ein entscheidender Pluspunkt für BMW ist die Standortpolitik des Unternehmens. Dank eines eigenen großen Werks in den USA bleibt der Konzern von den dortigen Zöllen zumindest teilweise verschont. Im vergangenen Jahr wurden in den USA knapp 413.000 Fahrzeuge produziert, wovon mehr als die Hälfte direkt vor Ort verkauft wurde. Das bedeutet, dass BMW weniger als die Hälfte der in den USA verkauften Autos importieren musste.
Zudem profitiert das Unternehmen von einer flexiblen Produktionsstrategie. Die Werke sind so gestaltet, dass auf einem Band Elektroautos, Hybride und Verbrenner entstehen können. Diese Flexibilität hilft, Unsicherheiten beim Hochlauf der Elektromobilität abzufedern. Oliver Zipse betonte in diesem Zusammenhang: „Wir haben uns in den letzten Jahren strategisch richtig aufgestellt. Davon profitieren wir heute: Wir müssen in einem herausfordernden Umfeld nicht umsteuern, sondern können unseren Kurs halten und unsere Strategie weiter konsequent umsetzen.“
Personalpolitik und Führungswechsel
Während andere deutsche Autobauer Stellenabbauprogramme ankündigen, ist BMW bisher ohne größere Stellenstreichungen durch die Krise gekommen. Diese Stabilität im Personalbereich unterstreicht die vergleichsweise robuste Position des Unternehmens.
Die nun vorgelegte Jahresbilanz ist die letzte, für die Oliver Zipse verantwortlich zeichnet. Am 14. Mai übernimmt sein designierter Nachfolger Milan Nedeljkovic die Unternehmensführung. Nedeljkovic, bisher Produktionsvorstand – ein Amt, das auch Zipse vor seinem Aufstieg an die Spitze innehatte – ist bereits seit längerem mit einem der wichtigsten Zukunftsprojekte des Konzerns vertraut: der Neuen Klasse.
Die Neue Klasse und vorsichtige Prognose
Der erste Vertreter der Neuen Klasse, der iX3, wurde bereits vergangenes Jahr vorgestellt und steht seit wenigen Tagen bei den Händlern. Die Resonanz ist bisher äußerst positiv: Angesichts hoher Bestellungen hat BMW bereits im Januar eine zusätzliche Schicht in der Produktion eingeführt. In Kürze wollen die Münchner zudem das nächste Auto der Neuen Klasse vorstellen: den elektrischen i3 als Gegenstück zum klassischen 3er in einem für BMW zentralen Volumenbereich.
Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt BMW bei den Aussichten für das laufende Jahr zurückhaltend. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Vorsteuergewinn trotz stabiler Auslieferungen moderat sinken wird. Belastungen durch Zölle, Währungseffekte und teurere Rohstoffe tragen zu dieser vorsichtigen Prognose bei.
Oliver Zipse hinterlässt seinem designierten Nachfolger Milan Nedeljkovic somit einen Konzern, der mit der aktuellen Branchenkrise bisher besser zurechtkommt als die deutsche Konkurrenz. Die strategischen Weichenstellungen der vergangenen Jahre scheinen sich auszuzahlen und bieten eine solide Basis für die kommenden Herausforderungen.



