Frust an der Tankstelle: Güstrower Autofahrer sprechen über Abzocke bei Spritpreisen
Frust an der Tankstelle: Güstrower sprechen über Abzocke

Frust an der Tankstelle: Güstrower Autofahrer sprechen über Abzocke bei Spritpreisen

Montagvormittag in Güstrow: Kalter Regen prasselt vom Himmel, während der Blick auf die Zapfsäulen bei vielen Autofahrern Frust auslöst. An der Total-Tankstelle in Güstrow kostet der Liter Super aktuell 2,12 Euro, an der Aral-Tankstelle im nahegelegenen Teterow sogar 2,22 Euro. Bei HEM in Lalendorf bildet sich eine lange Schlange, denn hier bleibt der Preis knapp unter der Zwei-Euro-Marke. Trotz der hohen Kosten bleiben die Kunden geduldig und ruhig. „Sie wissen, dass wir nichts dafür können“, erklärt eine Tankstellenangestellte. „Ihren Ärger lassen die Autofahrer daher nicht an uns aus.“

Viele halten es für reine Abzocke

Einige müssen sich jedoch Luft machen. Wie Isa Dushkaja, ein Tiefbauer, der tanken muss, um zur Arbeit zu kommen. Eine Strategie für den Umgang mit den Preisen, wie etwa nur für fünf Euro zu tanken, wenn es am günstigsten ist, kann er sich nicht leisten. „Die Zeit habe ich außerdem gar nicht“, meint er resigniert. Karl Heinz Rohberg aus Langhagen geht es ähnlich. Mit ratlos zuckenden Achseln erklärt er, da könne er nichts machen, und schimpft lautstark auf die Politik.

Für „den Staat“ findet auch Christian Wazlawski deutliche Worte. „Abzocke ist das. Das kann so nicht weitergehen“, sagt der Lkw-Fahrer. Er schildert seine prekäre Situation: Dreimal pro Woche fährt er von Halle bis zu Pfanni nach Stavenhagen, um Kartoffeln zu liefern, und zurück. Nachts startet er seine Touren und ist am Nachmittag wieder daheim. Mit seinem eigenen Pkw muss er dann noch weiter bis nach Hause fahren. „Mehr Lohn bekomme ich aber trotzdem nicht“, schimpft er. „Das ist doch alles nicht mehr normal!“ Unverständlich ist ihm vor allem, weshalb es in Nachbarländern wie Luxemburg, Polen und Österreich nicht so teuer wie in Deutschland ist.

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Der Staat profitiert, die Tankstellenpächter kaum

Steffen Wegner aus Bützow teilt diesen Unmut: „Ich empfinde das, wie wahrscheinlich jeder andere auch, als Abzocke, wenn man sieht, dass es woanders auch anders geht. Aus den Nachbarländern kennt man andere Preise. Je höher die Spritpreise, umso mehr verdient der Staat daran. Die Tankstellenpächter bekommen nur einen Bruchteil davon.“

Der Rentner Hans-Jürgen Theil aus Vietgest reagiert pragmatisch: Angesichts der hohen Spritpreise versucht er, sein Auto so wenig wie möglich zu bewegen – obwohl er auf dem Dorf wohnt und es doch des Öfteren nutzen muss. „Ich bin dann immer ganz froh, wenn meine Tochter mir die Besorgungen bringt“, sagt er.

Gelassenheit trotz Frust

Einer, der die ganze Situation etwas gelassener sieht, ist Oliver Maegdefessel aus Steinhagen, obwohl er zweimal die Woche zur Arbeit nach Rostock pendeln muss. „Sie meckern alle, ich rege mich da nicht so drüber auf. Ich kann es nicht ändern und muss es akzeptieren. Wir waren schon einmal bei diesen Spritpreisen, sind da auch irgendwie durchgekommen“, erklärt er. Perspektivisch wünscht aber auch er sich wieder niedrigere Preise: „Wir können nur hoffen, dass es schnell wieder in die andere Richtung geht. Spaß macht es nämlich derzeit nicht, zu tanken. Wir brauchen es aber.“

Die hohen Spritpreise treffen viele Güstrower hart, besonders Pendler und Berufskraftfahrer. Während die Tankstellenangestellten ruhig bleiben, wächst der Frust über die als Abzocke empfundenen Kosten. Die Debatte um staatliche Steuern und internationale Preisunterschiede bleibt dabei ein zentraler Punkt.

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