Die Schwierigkeiten der Harzer Autozulieferer Bohai und Schlote überraschen den renommierten Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer nicht. „Deutschland ist zum großen Problemkind der Automobilindustrie geworden, was massiv Unternehmen und Arbeitsplätze kostet“, sagte der Direktor des Zentrums für Automobilforschung in Bochum der Mitteldeutschen Zeitung.
Verlagerung ins Ausland setzt Zulieferer unter Druck
Während die Automobilhersteller ihre Kapazitäten bereits verstärkt ins Ausland verlagerten, gerieten die Zulieferbetriebe in der Heimat unter einen existenzbedrohenden Druck. „Entwicklungen wie bei Bohai und Schlote gibt es überall in Deutschland“, so Dudenhöffer. Die Standortbedingungen in Deutschland seien für viele Zulieferer zu teuer und unflexibel geworden.
Krisengipfel bringt nur kurzfristige Hoffnung
Nach einem Krisengipfel war kurzfristig Hoffnung aufgekeimt, doch Dudenhöffer bleibt skeptisch. „Vergessen Sie es“, kommentiert er die Überlebenschancen der beiden Unternehmen. Er sieht strukturelle Probleme, die durch einmalige Maßnahmen nicht zu beheben seien. Dazu zählen hohe Energiekosten, strenge Regulierungen und der Fachkräftemangel.
Der Experte fordert eine grundlegende Wende in der Industriepolitik, um den Standort Deutschland für Zulieferer wieder attraktiver zu machen. Ohne tiefgreifende Reformen werde die Abwanderung weitergehen. Die Belegschaften in Harz hätten kaum eine Perspektive, so Dudenhöffer abschließend.



