Mercedes-Benz in der Krise: Gewinne halbiert, Absatz rückläufig - Was sind die Gründe?
Mercedes-Benz: Gewinne halbiert, Absatz rückläufig

Mercedes-Benz in der Krise: Der Stern verliert seinen Glanz

Mit opulenten Shows und prominenten Gästen inszeniert Mercedes-Benz regelmäßig seine neuen Modelle. Ende Januar verwandelte das Unternehmen sein eigenes Museum in Stuttgart in eine Bühne für Popstar Sam Smith, Tennislegende Roger Federer und eine Videobotschaft von Nvidia-Chef Jensen Huang. Doch hinter der glitzernden Fassade offenbart sich eine ernüchternde Realität: Der traditionsreiche Autobauer steckt in einer tiefgreifenden Krise.

Dramatische Zahlen: Gewinn halbiert, Umsatz und Absatz im Minus

140 Jahre nach Carl Benz' bahnbrechender Patentanmeldung für ein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ kämpft Mercedes-Benz mit massiven wirtschaftlichen Problemen. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres brach das Konzernergebnis von rund 7,81 Milliarden Euro auf nur noch 3,88 Milliarden Euro ein – ein Rückgang um satte 50 Prozent. Parallel sank der Umsatz um acht Prozent auf 98,5 Milliarden Euro. Die Absatzzahlen vervollständigen das düstere Bild: Mercedes verkaufte 2025 insgesamt etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw, was einem Rückgang von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Hausgemachte Fehler: Strategische Irrwege und Luxusfokus

Experten sehen einen erheblichen Teil der Misere als hausgemacht an. Moritz Kronenberger, Fondsmanager bei Union Investment, kritisiert vor allem zwei strategische Fehlentscheidungen des Managements. Zum einen habe sich Mercedes zu früh und zu radikal auf reine Elektroautos fokussiert. Nachdem Konzernchef Ola Källenius zunächst „electric first“ und dann sogar „electric only“ propagierte, musste er diese Strategie im Februar 2024 korrigieren und betonte stattdessen die „strategische Flexibilität“ beim Verbrenner.

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Zum anderen wirft Kronenberger dem Unternehmen eine Fehlinterpretation während der Chipkrise vor. Damals entschied sich Mercedes, die knappen Halbleiter vorrangig in teure Modelle wie die S-Klasse statt in Einstiegsfahrzeuge wie die A-Klasse zu verbauen. Diese Entscheidung basierte auf der Annahme, die Nachfrage würde sich dauerhaft zu größeren Luxusmodellen verschieben – eine Einschätzung, die sich als falsch erwies. „Mit der Luxusstrategie hat sich Mercedes ganz klar falsch positioniert“, urteilt Kronenberger.

Externe Herausforderungen: China-Konkurrenz und US-Zölle

Neben internen Problemen belasten auch externe Faktoren den Autobauer massiv. Stefan Bratzel, Branchenexperte vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, verweist auf den verschärften Wettbewerb im Premiumsegment, insbesondere im Kernmarkt China. Dort kämpfen zahlreiche einheimische Hersteller mit aggressiven Kampfpreisen um Marktanteile. Mercedes verzeichnete in China einen Absatzrückgang von 19 Prozent – besonders gravierend, da das Land mit 551.900 verkauften Pkw fast ein Drittel des Gesamtabsatzes ausmacht.

Zusätzlich drücken die Zollpolitik der USA unter Präsident Donald Trump sowie vergleichsweise hohe Personalkosten in Deutschland auf die Gewinnmargen. „Mercedes hat in Deutschland ein Kostenproblem“, stellt Bratzel fest.

Gegenmaßnahmen: Sparprogramm und neue Modelle

Das Unternehmen hat auf die Krise reagiert. Ein vor einem Jahr initiiertes Sparprogramm zielt darauf ab, bis 2027 die Produktionskosten um zehn Prozent zu senken und gleichzeitig die Materialkosten zu optimieren. Die Fixkosten sollen im gleichen Zeitraum um weitere zehn Prozent reduziert werden. Ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen unterstützt diese Bemühungen.

Parallel setzt Mercedes auf neue Modelle, um die Trendwende zu schaffen. Nach der Vorstellung des neuen CLA im Einstiegssegment folgte im Herbst der GLC – laut Källenius das meistverkaufte Modell des Unternehmens. Diese Fahrzeuge kommen mit dem unternehmenseigenen Betriebssystem MB.OS und sollen die notwendige Substanz liefern, um im Markt zu bestehen.

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Ausblick: 2026 als Übergangsjahr

Experten sehen 2026 als entscheidendes Übergangsjahr für Mercedes. Kronenberger rechnet damit, dass positive Tendenzen erst 2027 deutlich sichtbar werden. Eine Chance ortet Bratzel in den Bereichen Fahrassistenzsysteme und automatisiertes Fahren, wo Mercedes international eine führende Position einnimmt. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Stuttgarter Autobauer seine Rolle als Premiumhersteller behaupten kann. Sicher ist: Mercedes muss „hart dafür kämpfen“, so das einhellige Urteil der Analysten.