Das Ende einer Ära: Playmobil schließt Werk in Bayern
Es ist ein schwerer Schlag für die Region und die Mitarbeiter: Das Playmobil-Werk im bayerischen Dietenhofen beendet nach 57 Jahren die Produktion. Am 30. Juni wird endgültig das Licht ausgeknipst, und alle 350 Angestellten verlieren ihre Arbeitsplätze. Die Brandstätter Group, zu der die Spielzeugmarke gehört, bestätigte auf Anfrage: „Von der Produktionsverlagerung des Playmobil-Werks in Dietenhofen sind alle dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.“
Riesiges Industrieareal steht zur Vermietung
Nun sucht das Unternehmen nach neuen Nutzern für das gewaltige Betriebsgelände. Auf Immobilienplattformen wird der Standort als „Industrie-Campus mit 90.000 Quadratmetern Produktions- und Logistikflächen“ beworben. Ab dem 1. Juli sollen die Hallen verfügbar sein. Das gesamte Areal umfasst sogar 167.000 Quadratmeter Grundstücksfläche – das entspricht etwa 23 Fußballfeldern.
Zur Vermietung stehen:
- Produktionshallen in teilbaren Einheiten ab 2.500 m²
- Logistikzonen mit Hochregallager (100.000 Palettenstellplätze)
- Silo-Infrastruktur für Materiallagerung
- Büro- und Sozialflächen
Mögliche Nutzungen reichen von industrieller Fertigung über Logistik und E-Commerce bis hin zu Rechenzentren. Interessant: Die Brandstätter Group will auf dem Gelände weiterhin Blumentöpfe der Marke Lechuza produzieren.
Die Hintergründe der Werksschließung
Die Schließung kommt nicht überraschend, trifft die Belegschaft dennoch hart. Playmobil steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Im Geschäftsjahr 2022/23 verzeichnete das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte einen Verlust. Die Zahlen für 2023/24 zeigen einen dramatischen Umsatzeinbruch: Der Konzernumsatz der Horst Brandstätter Group sank von 736 Millionen auf etwa 490 Millionen Euro. Besonders betroffen ist die Kernmarke Playmobil, deren Umsatz von 614 Millionen auf 381 Millionen Euro einbrach.
Als Gründe nennt das Unternehmen:
- Schwache Konjunktur und hohe Inflation
- Steigende Kosten für Löhne, Transport und Energie
- Spürbare Konsumzurückhaltung
Zur Restrukturierung gehört auch der komplette Rücktritt des Betriebsrats im vergangenen Jahr. Während Playmobil kämpft, verzeichnet der dänische Konkurrent Lego weiterhin Umsatzwachstum.
Die Zukunft der Playmobil-Produktion
Mit der Schließung in Dietenhofen endet ein wichtiges Kapitel deutscher Spielzeugindustrie. Seit den 1960er Jahren wurden hier die bekannten Figuren produziert. Künftig konzentriert sich die Produktion auf andere Standorte:
- Hal Far (Malta): Wichtigstes Werk für Herstellung und Montage seit den 1970er Jahren
- Cheb (Tschechien): Zentrale Produktionsstätte für Spielzeug
- Herrieden: Bleibt als Logistikstandort erhalten
- Zirndorf (Bayern): Hauptverwaltung bleibt unverändert
Weltweit beschäftigt das Unternehmen weiterhin etwa 2.500 Mitarbeiter. Gegründet wurde es von Horst Brandstätter (†2015), der Ende der 1950er Jahre mit Hula-Hoop-Reifen begann und in den 1970ern die legendären Playmobil-Figuren auf den Markt brachte.
Die Schließung des Dietenhofener Werks markiert nicht nur das Ende hunderter Arbeitsplätze, sondern auch den Abschied von einem Stück deutscher Industriegeschichte. Über Jahrzehnte stand Playmobil für „Made in Germany“ in Kinderzimmern weltweit. Nun sucht das riesige Gelände neue Nutzer, während die ehemaligen Mitarbeiter vor ungewissen beruflichen Perspektiven stehen.



