Rüstungsindustrie als Alternative für kriselnde Autozulieferer? Studie sieht Chancen
Rüstungsindustrie als Alternative für Autozulieferer?

Rüstungsindustrie als möglicher Rettungsanker für kriselnde Autozulieferer

Die anhaltende Absatzschwäche in der deutschen Automobilindustrie und der strukturelle Wandel hin zur Elektromobilität stellen zahlreiche Zulieferbetriebe vor existenzielle Herausforderungen. In dieser schwierigen Phase rückt die boomende Rüstungsindustrie als potenzielle Alternative in den Fokus. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich hier neue Geschäftsfelder eröffnen könnten, auch wenn die Rüstung nicht als alleiniger Rettungsanker betrachtet werden sollte.

Automotive-Experte warnt vor einseitiger Abhängigkeit

„Rüstung ist nicht der alleinige Rettungsanker für den Automotive-Bereich“, betont Branchenexperte Werner Olle im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Aber die Unternehmen müssen sich breiter aufstellen und da kann Rüstung eine Komponente sein.“ Olle hat im Auftrag des Verbandes Automotive Thüringen eine umfassende Analyse erstellt, die bundesweit 150 Zulieferer der Rüstungsindustrie näher untersucht hat.

Die Studie zeigt deutlich: Mehr als 40 dieser Unternehmen sind der weitgefächerten Zulieferstruktur der Automobilindustrie zuzuordnen. Diese reicht von der Metallbearbeitung über die Kunststoff-, Glas- und Keramikindustrie bis hin zu IT- und Ingenieurdienstleistungen. „Das zeigt, dass Unternehmen der Automobilbranche und ihre Zulieferindustrien bereits heute in beachtlichem Umfang für den sogenannten Defence-Bereich tätig sind“, so Olle.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Technologische Synergien und konkrete Beispiele

Die Automobilbranche bietet technologisch zahlreiche Anknüpfungspunkte, insbesondere bei Produkten, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Als Beispiele nennt Olle die Fertigung von Karosserieteilen, Antriebskomponenten sowie Fahrzeug- und Assistenzsystemen. Auch Sonderfahrzeuge, Panzerungen und Elektronik gehören zu den Bereichen, in denen sich Überschneidungen ergeben.

Ein konkretes Beispiel für diese Entwicklung ist der Konzern KNDS, der das frühere Waggonwerk in Görlitz übernommen hat, um dort Panzerteile zu produzieren. Auch die Autoindustrie selbst hat Rüstungsprojekte im Blick, um Überkapazitäten abzubauen. Volkswagen sucht beispielsweise eine Zukunft für sein Werk im niedersächsischen Osnabrück und führt nach eigenen Angaben Gespräche mit Rüstungsunternehmen.

Chancen für kleine und mittlere Unternehmen

Ein besonderer Vorteil der Rüstungsindustrie liegt in den kleineren Stückzahlen, die bei Rüstungsaufträgen typisch sind. Dies bietet auch kleinen und mittleren Unternehmen die Chance, als Zulieferer aktiv zu werden. „Das biete auch kleinen und mittleren Unternehmen die Chance, hier als Zulieferer aktiv zu werden“, erklärt Olle.

Doch der Experte warnt auch vor den Herausforderungen: Die Rüstungsindustrie sei für viele interessierte Zulieferer Neuland – mit anderen Strukturen, Auftraggebern, Geschäftsmodellen und Anforderungen. Erfolgversprechend sei vor allem, Teile oder Komponenten an Rüstungsunternehmen zu liefern oder sich mit Unternehmen zusammenzutun, die bereits in diesem Bereich etabliert sind.

Kontext: Internationale Konflikte treiben Rüstungsboom

Während die Automobilindustrie mit Absatzschwäche und Jobabbau kämpft, verzeichnet die Rüstungsindustrie aufgrund internationaler Konflikte wie dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine starke Zuwächse und expandiert kontinuierlich. Diese gegenläufige Entwicklung schafft ein besonderes Spannungsfeld für Zulieferbetriebe, die traditionell eng mit der Automobilbranche verbunden sind.

Die Studie macht deutlich, dass eine Diversifizierung der Geschäftsfelder für viele Zulieferer unumgänglich geworden ist. Die Rüstungsindustrie könnte dabei eine von mehreren strategischen Optionen darstellen, um die aktuelle Krise zu überwinden und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration