Koalition einigt sich auf gemeinsame Position zum EU-Verbrenner-Aus
Schwarz-Rot einig bei EU-Verbrenner-Aus

Koalition findet Einigung in monatelangem Verbrenner-Streit

Nach intensiven und langwierigen Diskussionen haben sich die Spitzen der schwarz-roten Koalition endlich auf eine gemeinsame Position für die anstehenden EU-Verhandlungen zur Lockerung des Verbrennerverbots geeinigt. Diese Einigung markiert einen bedeutenden Wendepunkt in der innenpolitischen Debatte und verhindert ein sogenanntes German Vote bei der entscheidenden Abstimmung im Rat der Europäischen Union.

Vollständige Energieoffenheit für Brüssel

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) betonte in Berlin die Bedeutung dieser Einigung: „Wir gehen mit vollständiger Energieoffenheit in die Beratungen in Brüssel.“ Die Bundesregierung trete nun geschlossen und mit Nachdruck in die Verhandlungen ein, was ihre Verhandlungsposition erheblich stärke. Diese Klarheit war zuvor monatelang nicht gegeben, da sich die Koalitionspartner nicht auf eine gemeinsame Bewertung der EU-Vorschläge einigen konnten.

Umstrittener EU-Vorschlag zur Abkehr vom Verbrenner-Aus

Die EU-Kommission hatte im Dezember einen kontroversen Vorschlag vorgelegt, der eine deutliche Abkehr vom ursprünglich ausgehandelten Verbrenner-Aus darstellt. Demnach sollen auch nach 2035 in der Europäischen Union weiterhin Autos mit Verbrennungsmotor neu zugelassen werden können. Die neuen Regelungen sehen vor, dass nur noch bis zu 90 Prozent CO₂ im Vergleich zum Basisjahr 2021 eingespart werden müssen, was erhebliche Ausnahmen ermöglicht.

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Bayerns Warnung vor wirtschaftlichen Folgen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte den ursprünglichen EU-Vorschlag als „großes Eigentor für Deutschland“ kritisiert. „Wir dürfen China nicht einfach den wichtigen Markt schenken“, mahnte der CSU-Chef. Das nun gefundene Auto-Paket der Koalition sichere nicht nur Arbeitsplätze in der Automobilindustrie, sondern helfe auch der gesamten Zulieferbranche, die für den Wirtschaftsstandort Deutschland von zentraler Bedeutung ist.

SPD betont Flexibilität für EU-Binnenmarkt

SPD-Chef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil unterstrich die Bedeutung einer einheitlichen deutschen Position: „Es darf kein German-Vote geben bei einer so wichtigen Frage.“ Obwohl er weiterhin an eine Zukunft des Elektroautos glaube, brauche es bis dahin mehr Flexibilität in der Übergangsphase. Diese Flexibilität diene nicht nur der deutschen Automobilindustrie, sondern stärke auch den gesamten EU-Binnenmarkt.

Deutsche Forderungen gehen über EU-Vorschlag hinaus

Die schwarz-rote Koalition geht mit ihren Forderungen sogar über den EU-Vorschlag hinaus. Deutschland verlangt konkret:

  • Fahrzeuge, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen oder modernen Biokraftstoffen betrieben werden, sollen im Rahmen der Flottenregulierung sofort als Nullemissionsfahrzeuge angerechnet werden können
  • Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Reichweitenverstärker sollen weiterhin möglich bleiben
  • Die geplante Verschärfung des Rechenfaktors (Utility Factors) ab 2027 muss ausgesetzt werden

Der Utility Factor ist ein entscheidender Parameter, der angibt, wie gut Plug-in-Hybride zum Erreichen der Klima- und Flottenziele der Automobilhersteller beitragen.

Finale Entscheidung im Juni erwartet

Die Uneinigkeit innerhalb der Bundesregierung hatte zuvor die Gefahr eines deutschen Enthaltungsvotums bei der EU-Abstimmung heraufbeschworen. Während CDU und CSU die EU-Vorschläge klar abgelehnt hatten, hatte sich die SPD zunächst nicht eindeutig positioniert. Nun wird der EU-Rat im Juni final über die Vorschläge abstimmen. Zuvor wird das Thema auch im Europäischen Parlament noch einmal zur Abstimmung gebracht, wo die deutsche Einigung möglicherweise zusätzliches Gewicht in die Waagschale werfen kann.

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