Seit dem 1. Mai gilt in Deutschland ein Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter auf neu ausgelieferte Kraftstoffe. Die Spritpreise sind gefallen, doch wie viel der Steuersenkung kommt tatsächlich bei den Autofahrern an? Das Münchner Ifo-Institut und der ADAC sagen: Nur teilweise. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie widerspricht und das Bundeskartellamt benötigt mehr Zeit für eine Bewertung.
Ifo: Deutliche Diskrepanz bei Diesel und Benzin
Das Ifo-Institut hat die Preisweitergabe in den ersten vier Tagen untersucht. Laut Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft, gaben die Tankstellen beim Diesel durchschnittlich nur 5 Cent der 17 Cent Steuersenkung weiter, beim Superbenzin waren es rund 12 Cent. „Die geringe Weitergabe beim Diesel könnte mit Importabhängigkeit zusammenhängen“, so Neumeier. Am Montag stieg die Weitergabe bei Diesel auf über 9 Cent, während Benzin bei rund 12 Cent blieb. Die Berechnungen basieren auf einem Vergleich der Spritpreise in Deutschland und Frankreich seit dem 23. April.
ADAC: Preise bleiben überteuert
Der ADAC hält die aktuellen Preise für überteuert. Eine Sprecherin erklärte, von den knapp 17 Cent kämen höchstens 11 Cent an den Zapfsäulen an. Der Verkehrsclub sieht sich durch die Ifo-Berechnungen bestätigt und zweifelt nicht daran, dass Mineralölunternehmen Teile der Energiesteuersenkung einbehielten.
Wirtschaftsverband widerspricht
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) argumentiert, dass zu Beginn noch regulär versteuertes Benzin an den Tankstellen war. Zudem seien die Weltmarktpreise, insbesondere bei Diesel aufgrund des Nahostkonflikts, gestiegen. Ein Sprecher betonte: „Ohne die Steuersenkung wären die Preise rund 17 Cent höher. Die Energiesteuersenkung wird umfänglich weitergegeben.“
Bundeskartellamt: Zeit für genaue Prüfung nötig
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, betonte im Deutschlandfunk, dass eine schnelle Bewertung aufgrund vieler Einflussfaktoren nicht möglich sei. „Es ist kaum etwas so kompliziert zu bestimmen wie ein Preis.“ Das Kartellamt habe neue Werkzeuge, um die Preissetzung zu prüfen: „Die Unternehmen müssen uns nachweisen, dass ihre Preissetzung mit der Kostenentwicklung im Einklang steht.“
Der Tankrabatt gilt seit dem 1. Mai und soll Autofahrer entlasten. Kritik kommt auch vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Das Ifo führt seine Berechnungen in einem öffentlichen „Tankrabatt-Tracker“ fort und sieht den Rabatt grundsätzlich kritisch, da er falsche Anreize setze und nicht zum Spritsparen beitrage.



