Der durchschnittliche Preis für Normalbenzin in den USA ist innerhalb einer Woche um 31 Cent pro Gallone (3,8 Liter) gestiegen. Aktuell kostet ein Gallone im Schnitt 4,48 Dollar – rund 50 Prozent mehr als vor dem Irankrieg. Dies gab der US-Automobilclub AAA bekannt. Hauptursache für den Anstieg der Spritkosten ist der sprunghafte Anstieg der Rohölpreise. Der Ölpreis hat sich seit Beginn des Militärkonflikts teils mehr als verdoppelt. Auslöser dieser Ölpreiskrise ist die Sperrung der Straße von Hormus. Das iranische Regime reagierte damit auf die von US-Präsident Donald Trump befohlenen großflächigen Angriffe auf Iran.
Angst der Republikaner vor der Wut an der Zapfsäule
„Nach der Ankündigung des ersten Waffenstillstands herrschte Optimismus – das könnte wirklich der Anfang vom Ende des Konflikts sein“, sagte Rob Smith, Leiter des globalen Kraftstoffeinzelhandels bei S&P Global Energy. „Die Rohölpreise sanken entsprechend, die Spotpreise für Benzin folgten, und die Händler gaben die Abschläge weiter.“ Doch der Krieg ging weiter. Die Preise drehten und stiegen wieder. Die Entwicklung ist auch politisch brisant: US-Verbraucher reagieren traditionell empfindlich auf steigende Spritkosten. Politiker fürchten diese Entwicklung entsprechend. Dies führte im Vorfeld der vergangenen Präsidentschaftswahlen etwa dazu, dass der damalige US-Präsident Joe Biden die Ukraine bat, Angriffe auf russische Ölinfrastruktur zu unterlassen.
Biden fürchtete Nachteile an der Wahlurne wegen möglicher Benzinpreissteigerungen. Nun sitzt Donald Trump im Weißen Haus – und könnte bei den anstehenden Midtermwahlen den Ärger vieler Wähler zu spüren bekommen. Bei diesen „Zwischenwahlen“ wird jeweils ein Teil der Sitze von Repräsentantenhaus und Senat neu gewählt. Die nächsten Midterms stehen im November an. Trumps Republikaner fürchten, dann die Mehrheit im Unterhaus zu verlieren.
Keine schnelle Erholung der Preise in Sicht
Auf schnelle Entspannung an der Zapfsäule können sie wohl nicht hoffen. „Es gibt ein grundlegendes globales Angebotsdefizit, das den Preis nach oben treibt“, sagte Smith. „Egal, was Regierungen sagen oder Marktbeobachter glauben: Solange die Straße von Hormus blockiert ist, steigt der Druck auf die Preise jeden Tag. Und die Meerenge ist nach wie vor massiv blockiert.“
Wie hoch die Preise noch steigen werden, ist schwer zu prognostizieren. Schon jetzt liegt der Preis für eine Gallone Normalbenzin ähnlich hoch wie Anfang Mai 2022. Damals hatte Russlands Überfall auf die Ukraine die Energiepreise in die Höhe getrieben. Je länger die Straße von Hormus gesperrt bleibt, desto höher dürften auch jetzt wieder die Preise steigen – und desto länger dauert die Rückkehr zur Normalität, so Experte Smith. „Selbst wenn es eine echte und dauerhafte Lösung des Konflikts gäbe, beide Seiten sich einigten und Hormus wirklich offenbliebe – es würde dennoch Monate dauern, bis die Preise wieder auf das Vorkriegsniveau fallen, wenn nicht noch länger“, sagte Smith. „In der Branche wird es weiter einen Risikoaufschlag für Transporte durch die Region geben. Die vergangenen Monate haben gezeigt: Es wird schwer sein, Reeder und Versicherungen davon zu überzeugen, dass das Risiko wieder so niedrig ist wie im Februar. Das wird lange dauern.“



