Die Commerzbank wehrt sich seit Monaten gegen eine mögliche Übernahme durch die Unicredit. Nun will der Dax-Konzern mit einem weiteren Stellenabbau und steigenden Gewinnen Investoren von seiner eigenständigen Zukunft überzeugen. Bis 2030 sollen konzernweit etwa 3.000 weitere Vollzeitstellen gestrichen werden, wie das Frankfurter Institut mitteilte.
Rekordgewinn im ersten Quartal 2026
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sieht sich durch den besten Jahresstart seit 2011 in ihrem Kurs bestätigt. Im ersten Quartal 2026 erzielte die Bank ein operatives Ergebnis von rund 1,36 Milliarden Euro und einen Überschuss von 913 Millionen Euro. Dies übertraf das Vorjahresquartal um jeweils etwa zehn Prozent und lag über den Erwartungen der Analysten.
Strategie „Momentum 2030“
Im Rahmen der überarbeiteten Strategie „Momentum 2030“ peilt die Commerzbank für 2026 einen Überschuss von mindestens 3,4 Milliarden Euro an, 200 Millionen Euro mehr als bisher geplant. Bis 2028 soll das Ergebnis auf 4,6 Milliarden Euro steigen, bis 2030 auf 5,9 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr 2025 hatte die Bank trotz hoher Kosten für den bereits laufenden Stellenabbau mit gut 2,6 Milliarden Euro den Rekordgewinn von 2024 nur knapp verfehlt.
Unicredit macht Druck
Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit dem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme und hatte jüngst die „unterdurchschnittliche operative Leistung“ der Commerzbank kritisiert. Ohne Neuausrichtung sei das Überleben des Instituts gefährdet. Die Unicredit, die in Deutschland mit der Hypovereinsbank aktiv ist, präsentierte ein Umbauprogramm, demzufolge in Deutschland etwa 7.000 Vollzeitstellen gestrichen würden.
Commerzbank weist Unicredit-Pläne zurück
Die Commerzbank-Spitze weist die Pläne der Unicredit als vage und gefährlich zurück. „Solche extensiven Stellenstreichungen würden das Deutschland-Geschäft beeinträchtigen“, schreibt das Geldhaus in einer Präsentation. Um die von der Unicredit in Aussicht gestellten Einsparungen von 800 Millionen Euro zu realisieren, müssten weitere 3.000 bis 4.000 Vollzeitstellen gestrichen werden.
Betriebsrat trägt Einschnitte mit
Der Stellenabbau soll sozialverträglich über Verrentung und Altersteilzeit mit einer 50.000-Euro-Zusatzprämie geregelt werden. Eine Transformationsvereinbarung mit dem Betriebsrat regelt die Eckpunkte. Gleichzeitig sollen in Wachstumsfeldern wie der Digitalmarke Comdirect und der Vermögensverwaltung Stellen aufgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind auf Basis der Vereinbarung faktisch ausgeschlossen.
Zweiter Stellenabbau seit Anfang 2025
Erst im Februar 2025 hatte die Commerzbank den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt, den Großteil davon in Deutschland. Damals schuf die Bank parallel neue Stellen im Ausland, etwa bei der polnischen Tochter mBank. Ende 2025 beschäftigte der Konzern 39.867 Vollzeitkräfte. Wo die neuen 3.000 Stellen wegfallen sollen, blieb zunächst offen.
Widerstand gegen Unicredit
Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht feindliche Taktieren von Unicredit-Chef Orcel. Auch die Bundesregierung lehnt eine feindliche Übernahme ab. Der Bund hält noch gut 12 Prozent der Anteile. Die Unicredit bietet für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien, was auf Basis eines Drei-Monats-Durchschnittskurses 34,35 Euro wert ist – unter dem jüngsten Kurs der Commerzbank-Aktie. Der Vorstand um Bettina Orlopp bewertet das Angebot als deutlich unter Wert.



