BASF eröffnet historisches Milliarden-Werk in Südchina
Der deutsche Chemiekonzern BASF hat nach fast sechs Jahren Bauzeit seinen neuen Verbundstandort in der südchinesischen Küstenstadt Zhanjiang offiziell eröffnet. Mit einer Investitionssumme von 8,7 Milliarden Euro handelt es sich um die bislang größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. BASF-Vorstand Markus Kamieth betonte in seiner Eröffnungsrede vor chinesischen Regierungsbeamten und Kunden, dass der Standort in einer zunehmend geteilten Welt zeige, wie globale Kooperation zu den besten Ergebnissen führe.
Strategische Positionierung im chinesischen Markt
Mit dem Werk in Zhanjiang, das bereits im November in Betrieb gegangen war, will BASF seine Position im Chemiemarkt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt deutlich verbessern. Bislang erwirtschaftet der Konzern lediglich rund 14 Prozent seines globalen Umsatzes in China, obwohl dort etwa die Hälfte der weltweiten Chemienachfrage liegt. Das neue Werk soll speziell den aus BASF-Sicht unterversorgten Markt im Süden Chinas bedienen und die wirtschaftsstarke Provinz Guangdong besser erreichen, wo viele BASF-Kunden ansässig sind.
Es handelt sich um den zweiten Verbundstandort des Unternehmens in China nach dem Werk in Nanjing, das BASF in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem staatlichen Ölriesen Sinopec betreibt. Während das Nanjing-Werk den größten Chemiemarkt Chinas im Osten bedient, konzentriert sich Zhanjiang auf die südliche Region.
Herausforderungen und veränderte Rahmenbedingungen
Seit der Besiegelung des Projekts im Jahr 2018 unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in China deutlich verändert. BASF-Konzernchef Markus Kamieth räumte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ein, dass sich die Investition in Zhanjiang später als geplant lohnen werde. „Wir starten in einem überversorgten Markt, in dem die Preise und Margen auf einem historisch niedrigen Niveau liegen“, erklärte Kamieth. „Die Profitabilität wird in den ersten Jahren daher deutlich unter dem sein, was wir uns ursprünglich vorgestellt hatten.“
Der chinesische Markt, in dem ausländische Unternehmen über Jahrzehnte sehr gute Geschäfte gemacht hatten, ist durch harte Preiskämpfe und scharfen Wettbewerb in vielen Branchen schwieriger geworden, was auf die Gewinne der Unternehmen drückt.
Risikobewertung und Nachhaltigkeitsaspekte
Kritiker äußern Bedenken, dass sich BASF durch die massive Investition von einem autokratisch geführten Land wie China abhängig machen könnte. Zudem werden regelmäßig Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen gegen Peking laut. Sorgen bereitet auch Chinas Machtanspruch auf den unabhängig regierten Inselstaat Taiwan, da ein Konflikt eine der global wichtigsten Schifffahrtsrouten unterbrechen und massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hätte.
BASF betont, dass das Unternehmen Risikoszenarien kontinuierlich bewertet. Das Werk in Zhanjiang verfügt über einen eigenen Tiefseehafen, über den die Ludwigshafener Rohstoffe vom Weltmarkt für die Produktion an ihrem drittgrößten Verbundstandort beziehen können. Exporte von dort sind nicht geplant – es werde „in China für China“ produziert.
In Bezug auf Nachhaltigkeit bezieht BASF den Strom für das Werk nach eigenen Angaben zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Dadurch soll der CO2-Fußabdruck im Vergleich zu anderen Verbundstandorten um etwa 50 Prozent niedriger liegen. Emissionen entstehen allerdings noch in der Produktion, insbesondere im Steam Cracker, dem Herzstück des Werks, der aus Rohbenzin oder Butangas Ausgangsstoffe für BASF-Produkte erzeugt.
Die Eröffnung des Zhanjiang-Werks markiert einen bedeutenden Schritt in der China-Strategie des weltgrößten Chemiekonzerns, der trotz der aktuellen Marktherausforderungen auf langfristiges Wachstum in der Region setzt.



