Chemiewerk Leuna gerettet: Aus Domo Caproleuna wird Leuna Polyamid GmbH
Chemiewerk Leuna gerettet: Neustart als Leuna Polyamid

Chemiewerk in Leuna vor Stilllegung bewahrt: Neustart als Leuna Polyamid GmbH

Nach monatelanger Unsicherheit können zahlreiche Beschäftigte des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals in Leuna aufatmen. Die drohende Stilllegung des Werks wurde abgewendet, wie Insolvenzverwalter Lucas Flöther mitteilte. Das Chemiewerk wird an die neu gegründete Auffanggesellschaft Leuna Polyamid GmbH übertragen, die jeweils zur Hälfte von InfraLeuna und dem auf dem Gelände des Chemieparks ansässigen Unternehmen Leuna-Harze getragen wird.

Über 400 Arbeitsplätze gesichert

Die Leuna Polyamid GmbH übernimmt den Standort und die Immobilie in Leuna sowie 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten. Ein Teil des Personalabbaus erfolgt durch Eigenkündigungen oder das Auslaufen befristeter Anstellungsverhältnisse. Lediglich 39 Beschäftigten mussten betriebsbedingt gekündigt werden. Die neue Gesellschaft finanziert ab sofort vollumfänglich den Geschäftsbetrieb und will zunächst die Wirtschaftlichkeit wiederherstellen.

„Für uns als Land ist das jetzt eine sehr, sehr gute Lösung“, zeigte sich Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) mit der sogenannten „Leuna-Lösung“ zufrieden. Der ehemalige Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt betonte: „Sie sollten wissen, dass Domo eines der Herzstücke in der gesamten chemischen Industrie hier in Sachsen-Anhalt und auch relevant für Deutschland ist.“

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Notbetrieb durch Landesmittel ermöglicht Rettung

Dem Chemiewerk Domo Caproleuna in Leuna drohte zuletzt die Stilllegung, weil im Unternehmen kein Geld für die Finanzierung des laufenden Betriebs vorhanden war. Weil die Anlagen im Januar nicht gefahrlos heruntergefahren werden konnten, hatte das Land Sachsen-Anhalt einen Notbetrieb am Standort finanziert. Dadurch entstanden dem Land Kosten in Höhe von rund 80 Millionen Euro.

„All zu oft sollte uns das nicht passieren“, mahnte Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD). Das Land war durch die Bereitstellung des Geldes weder in die insolventen Unternehmen eingestiegen noch hatte es in sie investiert, konnte aber so die Suche nach einem Investor fortsetzen.

Zukunft des Standorts in Leuna gesichert

Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, kündigte an, dass nach der Sanierung nicht angedacht sei, das Unternehmen weiterzuveräußern. Vielmehr sollen die Geschäfte auch in Zukunft in der Stadt im Süden Sachsen-Anhalts angesiedelt bleiben. Am Domo-Standort in Leuna werden vor allem Kunststoffe hergestellt, die unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet werden.

Insolvenzverwalter Lucas Flöther sprach von einer „Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“. Er hatte den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember fortgeführt. Das Chemieunternehmen mit Sitz im belgischen Gent hatte Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg Insolvenz angemeldet.

Weitere Standorte weiterhin ungewiss

Während der Standort in Leuna gerettet werden konnte, bleibt die Zukunft der anderen Domo-Standorte ungewiss. Die Domo Chemicals GmbH in Leuna, die über keinen operativen Geschäftsbetrieb verfügt und administrative Funktionen bündelt, wird nach einer Übergangsphase im April die Stilllegung einleiten müssen. Das Unternehmen beschäftigt rund 35 Mitarbeiter.

Auch die insolvente brandenburgische Tochterfirma Domo Engineering Plastics GmbH mit rund 70 Beschäftigten soll gerettet werden. Flöther zeigte sich zuversichtlich, dass für den Standort im Landkreis Havelland in den kommenden vier Wochen ein Investor gefunden wird. Die Industriegewerkschaft IGBCE sprach den Beschäftigten ihre Unterstützung zu.

Lichtblick für die ostdeutsche Chemieindustrie

Die Rettung von Domo wird als wichtiger Lichtblick für die gesamte ostdeutsche Chemieindustrie gewertet, die sich in einer schwierigen Lage befindet. „Wir sind in Summe noch nicht über den Berg, sondern in einer echt herausfordernden Zeit“, betonte Ministerpräsident Schulze. Für die Zukunft sei er sich nicht sicher, ob es in einer ähnlichen Situation immer so glimpflich ausgehen wird.

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Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Nordostchemie lag der Gesamtumsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland im Jahr 2025 bei rund 28,5 Milliarden Euro – ein leichtes Plus von 0,5 Prozent, das jedoch allein auf die Pharmaindustrie zurückzuführen ist. Die klassische Chemie verzeichnete hingegen einen Rückgang von rund drei Prozent. Besonders kritisch bleibt die Kapazitätsauslastung: In der chemischen Industrie lag sie zuletzt bei durchschnittlich 72 Prozent.

Insgesamt sind laut des Branchenverbands rund 63.000 Menschen in der Branche beschäftigt. Während die Pharmaindustrie stabil bleibt, kommt es in der Chemie zunehmend zu Stellenabbau. Die Lösung in Leuna könne dazu beitragen, den Standort zu stabilisieren und gibt den Beschäftigten neue Perspektive. Betriebsratsvorsitzender Alexander Busch brachte die Erleichterung auf den Punkt: „Ab heute haben wir wieder eine echte Perspektive für uns und unsere Familien in der Region.“