Rettung für Domo Caproleuna: Aus Chemiewerk wird Leuna Polyamid GmbH
Domo Caproleuna wird zu Leuna Polyamid gerettet

Chemiewerk Domo Caproleuna in letzter Minute gerettet

Nach monatelanger Unsicherheit können Hunderte Beschäftigte des belgischen Chemieunternehmens Domo Chemicals endlich aufatmen. Die drohende Stilllegung des Chemiewerks in Leuna wurde abgewendet, indem das Werk an die neu gegründete Auffanggesellschaft Leuna Polyamid GmbH übertragen wurde. Diese wird jeweils zur Hälfte von InfraLeuna und dem auf dem Gelände des Chemieparks ansässigen Unternehmen Leuna-Harze getragen.

Ministerpräsident zeigt sich zufrieden mit der „Leuna-Lösung“

Ministerpräsident Sven Schulze äußerte sich positiv über die gefundene Lösung. „Für uns als Land ist das jetzt eine sehr, sehr gute Lösung, die hier präsentiert wurde“, erklärte der CDU-Politiker. Er betonte die Bedeutung des Unternehmens: „Domo ist eines der Herzstücke in der gesamten chemischen Industrie hier in Sachsen-Anhalt und auch relevant für Deutschland.“ Mit diesem Fall habe sich gezeigt, dass Lösungen gefunden werden können, wenn sie dringend benötigt werden.

Wirtschaftlichkeit soll wiederhergestellt werden

Dem Chemiewerk Domo Caproleuna hatte zuletzt die Stilllegung gedroht, weil im Unternehmen keine ausreichenden Mittel für die Finanzierung des laufenden Betriebs vorhanden waren. Die neue Leuna Polyamid GmbH plant nun zunächst, die Wirtschaftlichkeit wiederherzustellen. Anschließend ist eine Weiterentwicklung vorgesehen, wie Christof Günther, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH, ankündigte.

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Es ist nicht geplant, das Unternehmen nach der Sanierung weiterzuveräußern. Stattdessen sollen die Geschäfte auch in Zukunft in der Stadt im Süden Sachsen-Anhalts angesiedelt bleiben. Am Standort in Leuna werden vor allem Kunststoffe hergestellt, die unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet werden.

Insolvenzverwalter spricht von „Rettung in letzter Minute“

Insolvenzverwalter Lucas Flöther bezeichnete die Lösung als „Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“. Er hatte den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember fortgeführt. Das belgische Chemieunternehmen mit Sitz in Gent hatte Ende des vergangenen Jahres für seine drei deutschen Tochterfirmen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg Insolvenz angemeldet.

Weil die Anlagen im Januar nicht gefahrlos heruntergefahren werden konnten, hatte das Land Sachsen-Anhalt einen Notbetrieb am Standort in Leuna finanziert. Dadurch entstanden Kosten in Höhe von rund 80 Millionen Euro. „All zu oft sollte uns das nicht passieren“, mahnte Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD). Das Land war durch die Bereitstellung des Geldes weder in die insolventen Unternehmen eingestiegen noch hatte es in sie investiert, konnte jedoch so die Suche nach einem Investor fortsetzen.

Über 400 Mitarbeiter können in Leuna bleiben

Die neue Leuna Polyamid GmbH finanziert ab sofort vollumfänglich den Geschäftsbetrieb. Sie übernimmt den Standort und die Immobilie in Leuna sowie 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten. Ein Teil des Personalabbaus erfolgt durch Eigenkündigungen oder das Auslaufen befristeter Anstellungsverhältnisse. 39 Beschäftigten mussten betriebsbedingt gekündigt werden.

Die Domo Chemicals GmbH in Leuna verfügt über keinen operativen Geschäftsbetrieb mehr. Dort waren die administrativen Funktionen der drei deutschen Unternehmen gebündelt. Das Unternehmen beschäftigt noch rund 35 Mitarbeiter und wird nach einer Übergangsphase im April die Stilllegung einleiten müssen.

Weitere Rettung für Brandenburger Standort ungewiss

Auch die insolvente brandenburgische Tochterfirma Domo Engineering Plastics GmbH soll gerettet werden. Hier werden etwa 70 Mitarbeitende beschäftigt. Flöther zeigte sich zuversichtlich, dass für den Standort im Landkreis Havelland in den kommenden vier Wochen ein Investor gefunden wird. Die Industriegewerkschaft IGBCE sicherte den Beschäftigten ihre Unterstützung zu.

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Gesamtsituation der ostdeutschen Chemieindustrie bleibt angespannt

Nicht nur in Leuna befinden sich Chemieunternehmen derzeit in einer schwierigen Lage. Die gesamte ostdeutsche Chemieindustrie durchlebt eine angespannte Phase. „Wir sind in Summe noch nicht über den Berg, sondern in einer echt herausfordernden Zeit“, betonte Ministerpräsident Schulze. Für die Zukunft sei er sich nicht sicher, ob es in ähnlichen Situationen immer so glimpflich ausgehen wird.

Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Nordostchemie lag der Gesamtumsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland im Jahr 2025 bei rund 28,5 Milliarden Euro – ein leichtes Plus von 0,5 Prozent, das jedoch allein auf die Pharmaindustrie zurückzuführen ist. „Wir kennen im Moment nur eine Richtung: Produktion, Umsatz und auch Beschäftigung gehen zurück“, erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Nora Schmidt-Kesseler.

Die klassische Chemie verzeichnete hingegen einen Rückgang von etwa drei Prozent. Besonders kritisch bleibt die Kapazitätsauslastung: In der chemischen Industrie lag sie zuletzt bei durchschnittlich 72 Prozent. Insgesamt sind laut Branchenverband rund 63.000 Menschen in der Branche beschäftigt. Während die Pharmaindustrie stabil bleibt, kommt es in der Chemie zunehmend zu Stellenabbau.

Rettung wird als wichtiger Lichtblick gewertet

Die Rettung von Domo wird nun als bedeutender Lichtblick in der Branche bewertet. Die Lösung könne dazu beitragen, den Standort zu stabilisieren. Die Arbeitnehmer zeigten sich nach Bekanntwerden der Lösung erleichtert. „Ab heute haben wir wieder eine echte Perspektive für uns und unsere Familien in der Region“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Alexander Busch.