Massiver Bürgerprotest gegen Windkraft-Ausbau in Mecklenburgischer Seenplatte
Die Windkraft-Planung in der Mecklenburgischen Seenplatte gerät durch massiven Bürgerwiderstand ins Stocken. Mit insgesamt 6068 Stellungnahmen, davon 5450 in Papierform und viele handschriftlich verfasst, haben Anwohner den Prozess erheblich verlangsamt. Der Regionale Planungsverband muss nun deutlich mehr Zeit für die Auswertung einplanen als ursprünglich vorgesehen.
Kreistag lehnt Flächenvorgabe ab
Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat sich mehrheitlich gegen die Vorgabe gewandt, 1,4 Prozent seiner Fläche für Windkraftanlagen bereitzustellen. Auf Vorschlag der BSW-Fraktion beschloss der Kreistag in Neubrandenburg mit 29 zu 25 Stimmen einen entsprechenden Appell an den Regionalen Planungsverband. Vor der Sitzung hatten Mitglieder des Aktionsbündnisses „Gegenwind Seenplatte“ mit einer Demonstration auf ihr Anliegen aufmerksam gemacht.
Landrat Thomas Müller (CDU) bestätigte die außergewöhnlich hohe Zahl an Einwendungen: „Wir haben in etwa das Sechsfache von dem bekommen, was erwartet wurde.“ Die große Masse an Stellungnahmen wirft nicht nur den Zeitplan durcheinander, sondern wird aller Voraussicht nach auch zu Veränderungen an den geplanten Flächen führen.
Manuelle Auswertung verzögert Prozess erheblich
Die Bearbeitung der tausenden Papier-Einwände gestaltet sich äußerst aufwendig. Ina Spiegelberg, stellvertretende Leiterin des Planungsverbands, erklärte: „Die Bewertung und Abwägung erfolgt nicht automatisiert, sondern weiterhin durch Menschen.“ Zwar komme in begrenztem Maße Künstliche Intelligenz zur Strukturierung und Gruppierung zum Einsatz, die eigentliche inhaltliche Prüfung bleibe jedoch menschlicher Arbeit vorbehalten.
Durch diesen Aufwand kann der zunächst für Juni geplante Termin zur Beschlussfassung nicht eingehalten werden. Stattdessen rechnet man nun mit einer Verbandsversammlung im Herbst dieses Jahres – möglicherweise sogar erst im Herbst 2027.
Kritische Stimmen im Kreistag
Die Debatte im Kreistag verlief kontrovers. Gilbert Schulz (Freier Horizont) warnte vor den Konsequenzen: „Werden die Pläne realisiert, kann man davon ausgehen, dass man von jedem Punkt des Landkreises aus Windkraftanlagen sieht, oft auch hört.“ Er kritisierte zudem die finanziellen Belastungen für Bürger durch gestiegene Strompreise.
Enrico Schult (AfD) betonte: „2000 Windräder stehen schon, 4000 werden es. Wir kämpfen weiter dafür, das aufzuhalten.“ Seine Fraktion stimmte jedoch gegen den Appell, da sie die Ablehnung der 1,4-Prozent-Vorgabe nicht für den richtigen Weg hält.
Druck von Bund und Land
Mehrere Redner kritisierten den Druck von höheren Ebenen. Norbert Schumacher (Freier Horizont) appellierte an das Gewissen der Verbandsmitglieder: „Wir sind uns alle einig, dass der Landkreis keine Vorteile von Windkraft hat, vieles wird zerstört.“ Der Planungsverband solle nicht zum „Erfüllungsgehilfen“ werden.
Landrat Müller wies jedoch auf die Konsequenzen hin: „Sollte der Plan bis 2027 nicht stehen, wird es Wildwuchs geben.“ Ohne verbindliche Planung würde ein allgemeiner Vorrang von Windenergieanlagen im Außenbereich gelten.
Aktueller Planungsstand
Der aktuelle Entwurf aus September 2025 sieht 56 Windvorranggebiete vor, die 1,54 Prozent der Regionsfläche umfassen – leicht über der gesetzlich geforderten Marke. Bis Ende 2027 müssen nach geltender Rechtslage die Flächen endgültig ausgewiesen werden. Die massive Bürgerbeteiligung hat diesen Prozess nun erheblich verkompliziert und verzögert.
Die Mecklenburgische Seenplatte verzeichnet im Vergleich zu anderen Planungsverbänden in Mecklenburg-Vorpommern mit Abstand die meisten Stellungnahmen. Die intensive Auseinandersetzung zeigt, wie emotional das Thema Windkraft in der ländlichen Region diskutiert wird.



