Deutsche Ölimporte aus dem Nahen Osten nehmen zu
Mit zunehmender Besorgnis beobachten deutsche Öleinkäufer die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten. Der Grund dafür ist ein steigender Anteil der Ölimporte aus dieser Region in den vergangenen Jahren. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts stammten im vergangenen Jahr 6,1 Prozent des in Deutschland eingeführten Rohöls aus dem Nahen Osten. Dies entspricht einer Menge von 4,6 Millionen Tonnen bei einer Gesamtimportmenge von 75,7 Millionen Tonnen.
Vergleich zu früheren Jahren und wichtigste Lieferanten
Im Jahr 2020 lag der Anteil der Ölimporte aus dem Nahen Osten noch bei 4,4 Prozent, bei einer damaligen Gesamtimportmenge von 84,7 Millionen Tonnen. Der weitaus größere Teil der deutschen Ölimporte kommt jedoch aus anderen Regionen. Norwegen war im Jahr 2025 mit einem Anteil von 16,6 Prozent der wichtigste Lieferant für Deutschland, gefolgt von den USA mit 16,4 Prozent und Libyen mit 13,8 Prozent.
Aus dem Nahen Osten war der Irak mit 4,2 Prozent der bedeutendste Lieferant und belegte damit den siebten Platz unter den Lieferländern. Dahinter folgten die Vereinigten Arabischen Emirate mit 1,1 Prozent und Saudi-Arabien mit 0,8 Prozent. Andere Staaten der Region wie Oman, Katar, Kuwait oder Iran lieferten kein Rohöl nach Deutschland.
EU-Abhängigkeit und Auswirkungen des Krieges
Die Europäische Union ist deutlich stärker von Lieferungen aus dem Nahen Osten abhängig als Deutschland. Laut Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat bezogen die Mitgliedstaaten im Jahr 2025 insgesamt 13,0 Prozent ihrer Rohöl-Importe aus dieser Region. Die wichtigsten Lieferländer für die EU waren Saudi-Arabien mit 6,9 Prozent und der Irak mit 5,9 Prozent.
Die Angriffe der USA und Israels sowie die Gegenschläge Irans haben den Konflikt im Nahen Osten erheblich verschärft. Diese Entwicklung treibt den Ölpreis in die Höhe und verteuert die Produktionskosten der energieintensiven Industrieunternehmen in Deutschland. Die Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportrouten für Öl, könnte die Situation weiter verschärfen und die Inflation anheizen.
Rückgang der deutschen Nachfrage und regionale Verschiebungen
Die deutsche Nachfrage nach Rohöl ist über die vergangenen Jahre deutlich gesunken. Die im Jahr 2025 importierte Menge lag um 10,6 Prozent unter der von 2020. Im Vergleich zu 2005 ging die Einfuhr sogar um mehr als ein Drittel zurück. Insbesondere Saudi-Arabien hat für den deutschen Markt an Bedeutung verloren. Während im Jahr 2020 noch 2,3 Prozent der hiesigen Rohöl-Importe aus dem Land stammten, waren es 2025 nur noch 0,8 Prozent.
Die wachsende Nervosität unter den Öleinkäufern in Deutschland ist angesichts der unsicheren Lage im Nahen Osten verständlich. Die Straße von Hormus bleibt ein neuralgischer Punkt für die globale Energieversorgung, und jede Störung in dieser Region hat direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Verbraucherpreise in Deutschland und Europa.



