Wirtschaftsweise Grimm warnt vor übereilten Energiehilfen: Tankrabatt wäre kontraproduktiv
Grimm warnt vor Tankrabatt: Energiehilfen nicht übereilen

Wirtschaftsexpertin warnt vor übereilten Energiehilfen des Staates

Die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm (54) von der Technischen Universität Nürnberg äußert sich kritisch zu möglichen staatlichen Energiehilfen in der aktuellen Krise. Während der Konflikt im Nahen Osten weiter andauert, spüren Verbraucher und Unternehmen in Deutschland bereits massive Auswirkungen durch steigende Energiepreise und belastete Lieferketten.

Preisanstieg bei Gas um 90 Prozent

Veronika Grimm betont die Unsicherheit der Lage: "Es ist völlig unklar, wie lange der Konflikt im Iran andauern wird. Wir sehen bei den Gaspreisen jetzt einen Preisanstieg um 90 Prozent. Bei den Ölpreisen tut sich ebenfalls etwas." Die Volkswirtschaftsprofessorin warnt davor, in dieser Situation übereilte Maßnahmen zu ergreifen.

Besonders kritisch sieht sie die Diskussion über mögliche Tankrabatte: "Jetzt wird schon wieder über Tankrabatte gesprochen. Ich glaube, das ist verfrüht, weil ein Tankrabatt dazu beiträgt, dass der Energieverbrauch höher bleibt, als er das bei geltenden Marktpreisen wäre."

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Inflationsgefahr und wirtschaftliche Folgen

Grimm warnt vor erneuter Inflationsbeschleunigung: "Wenn der Konflikt einige Wochen so weitergeht, würde das die Inflation wieder stärker nach oben treiben. Da gibt es ein gewisses Potenzial, dass Inflationsdruck entsteht." Die Menschen hätten nach der Corona- und Energiekrise ohnehin größere Sorgen als zuvor.

Für die deutsche Industrie sieht die Wirtschaftsweise besorgniserregende Entwicklungen: "Generell ist die Situation bei der energieintensiven Industrie schon sehr angespannt. Es ist dort ohnehin sehr unattraktiv, in Deutschland zu investieren, und teilweise wird sogar Produktion zurückgefahren."

Sie verweist auf bereits laufende negative Trends: "Wir sehen, dass im signifikanten Ausmaß Jobs abgebaut werden und Produktion verlagert wird. Das wird jetzt natürlich verstärkt, aber die Rahmenbedingungen sind generell unattraktiv und es wäre dringend angezeigt, sich strategisch darum zu kümmern."

Sorgsamer Umgang mit Staatsfinanzen gefordert

Grimm empfiehlt der Politik zunächst, verschiedene Szenarien vorzubereiten: "Was passiert, wenn das länger dauert, wenn die Energiepreise stärker ansteigen? Da wäre es gut, auf die Erfahrungen der Energiekrise zurückzugreifen."

Sie kritisiert vergangene Maßnahmen: "Wir sollten überlegen, wo wir zu sehr mit der Gießkanne unterwegs waren. Wir haben da das Geld mit vollen Händen ausgegeben." Die aktuelle finanzpolitische Situation beschreibt sie als angespannt: "Jetzt hat die Regierung noch mal große Schuldenspielräume eröffnet. Der Spielraum ist nicht mehr so groß, wie er früher mal war."

Warnung vor steigender Staatsverschuldung

Die Wirtschaftsweise warnt eindringlich vor den langfristigen Folgen weiterer Schuldenaufnahme: "Der Schuldenstand wird bis 2030 auf 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes oder wahrscheinlich sogar mehr ansteigen. Der Ausgabendruck in den Haushalten ist riesig, vor allen Dingen durch die sozialen Sicherungssysteme."

Grimm verweist auf strukturelle Probleme: "Die Zins- und Verteidigungskosten steigen an. Schon 2029 werden die Einnahmen des Staates nur für diese drei Posten aufgebraucht sein, alles andere muss über Schulden finanziert werden."

Abschließend warnt sie vor kurzfristigen Lösungen: "Es wird nun eine sehr große Versuchung für die Regierung sein, die Notfallregel der Schuldenbremse zu nutzen und nebenbei unsere Haushaltslöcher zu stopfen. Das wird sich eben auf Dauer rächen."

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