Hohe Ölpreise stärken Russlands Kriegskasse – Putins Finanzspielraum wächst
Hohe Ölpreise stärken Russlands Kriegskasse

Ölpreis-Boom nährt Russlands Kriegskasse – Putins Finanzspielraum wächst

Die anhaltenden Engpässe bei den Öllieferungen aus dem Nahen Osten treiben die Rohstoffpreise in schwindelerregende Höhen. Für die Rohstoffmacht Russland kommt dieser Anstieg wie ein willkommenes Geschenk zur rechten Zeit. Nach einem Rekorddefizit im Staatshaushalt könnten die erwarteten Milliarden-Mehreinnahmen aus dem Ölgeschäft die klaffende Finanzlücke zumindest teilweise stopfen und den teuren Krieg gegen die Ukraine weiter finanzieren.

Putins strategische Öl-Politik

Kremlchef Wladimir Putin betonte zwar bei einer Sitzung zu den Auswirkungen des Nahost-Krieges auf den Ölpreis, dass er nur von einem vorübergehenden Anstieg ausgehe. Gleichzeitig verfügte er jedoch, dass russische Exporteure die aktuell hohe Nachfrage strategisch nutzen sollten, um sich auf verlässlichen Märkten festzusetzen. „Russland beliefert weiter treue Partner in Osteuropa – Ungarn und die Slowakei – und in Asien“, erklärte Putin. Zu Lieferungen an andere europäische Länder sei er nur bereit, wenn die politische Konjunktur außen vor bleibe und eine stabile Zusammenarbeit gesichert werde.

Putins Sonderbeauftragter für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew, warnte indes schärfer: Die „Eurobürokraten“ müssten für ihre Fehler und die russophobe Politik einen hohen Preis bezahlen. Sie sollten lieber Russland wieder als zuverlässigen Lieferanten akzeptieren.

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Abhängigkeit von Öleinnahmen bleibt hoch

Traditionell tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf wesentlich zur Finanzierung des russischen Haushalts bei. Im vorigen Jahr waren es etwa 23 Prozent, wobei dieser Anteil seit Jahren sinkt – zuletzt vor allem wegen des Exportrückgangs durch westliche Sanktionen. Russlands Haushaltsplanung für dieses Jahr basiert auf einem durchschnittlichen Ölpreis von 59 US-Dollar pro Barrel. Da die Preise zu Jahresbeginn unter diesen Wert fielen, vergrößerte sich das ohnehin eingeplante Haushaltsloch noch einmal.

Nun steigen die Preise jedoch deutlich und wecken Hoffnungen auf Entspannung im Etat. Wegen der angespannten Lage im Nahen Osten erwägen die USA sogar Sanktionslockerungen. Dies könnte Russland ermöglichen, deutlich mehr Energie zu deutlich höheren Preisen abzusetzen. Allerdings verkauft das Land generell mit großen Rabatten – insbesondere an Hauptkunden wie China und Indien, nachdem viele andere Staaten wegen der Sanktionen weggefallen sind.

Milliardenträume und realistische Prognosen

„Öl über 100 Dollar – und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und Geopolitik wird noch lauter“, jubelt Kremlbeamter Kirill Dmitrijew in sozialen Netzwerken. Er träumt bereits von einem möglichen Preis von 200 US-Dollar je Ölfass und betont: „Russland ist ein systemrelevanter Energielieferant, ohne den weder globale Stabilität noch ein nachhaltiges Modell für weltweites Wachstum möglich sind.“

Experten schätzen vorsichtiger: Bei einem Durchschnittspreis für Urals-Öl von 70 Dollar pro Barrel könnte der Staat zusätzlich etwa 2 Billionen Rubel einnehmen. Zum Vergleich: 2025 flossen 8,5 Billionen Rubel (92,4 Milliarden Euro) aus dem Verkauf von Öl und Gas in den Haushalt. Allerdings wirken Sanktionen wie der Preisdeckel im Westen auf russisches Öl und das Vorgehen gegen Moskaus Schattenflotte weiterhin.

Kriegsfinanzierung und geopolitische Konsequenzen

Wenn der Ölpreis für längere Zeit hoch bleibt, gewinnt Russland größeren Spielraum für Rüstungsvorhaben und seinen seit über vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine. In Moskau herrscht zudem Schadenfreude, weil in der EU die auch für die westliche Rüstungsindustrie wichtigen Energiekosten massiv steigen. Russland fordert, dass die EU gar keine Waffen mehr an die Ukraine liefert – und der Krieg so endet.

Dabei wollte die EU mit ihren Sanktionen gegen russisches Öl und Gas der Energiegroßmacht den Geldhahn für den Krieg zudrehen. Jetzt droht Kremlchef Putin sogar damit, dem von der EU beschlossenen Totalembargo gegen russisches Gas zuvorzukommen – und seine Rohstoffe auf andere, „verlässlichere Märkte“ umzuleiten. Dies könnte einen neuen Preisanstieg auslösen.

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Haushaltsprobleme bleiben akut

Trotz der erwarteten Mehreinnahmen werden nicht alle finanziellen Probleme Russlands gelöst. Die zusätzlichen Einnahmen können das Haushaltsdefizit nicht komplett decken, wie die kremlnahe Zeitung „Iswestija“ unter Berufung auf Energiemarkt- und Finanzexperten schreibt. Demnach müssten die Ölpreise mindestens drei bis sechs Monate auf dem aktuellen Niveau bleiben, um tatsächlich einen positiven Effekt auf den Haushalt zu haben.

Das russische Finanzministerium veröffentlichte zuletzt ein konsolidiertes Defizit für das abgelaufene Haushaltsjahr von beispiellosen 8,3 Billionen Rubel (rund 90 Milliarden Euro). Auch in diesem Jahr wird ein hohes Defizit erwartet. Bereits im Januar gab es eine Haushaltslücke von 1,7 Billionen Rubel, 252 Milliarden Rubel mehr als im Vorjahresmonat.

Ein weiteres Problem für Russlands Haushalt ist der vergleichsweise starke Rubel. Festgelegt ist für Dollareinnahmen im Haushalt ein durchschnittlicher Umrechnungskurs von 92,2 Rubel je US-Dollar. Tatsächlich liegt der Kurs bei unter 80 Rubel je US-Dollar, was weniger Geld in die Staatskasse spült. Weil zugleich die Staatsausgaben steigen, bringen die Behörden immer mehr Sparvorschläge etwa bei Infrastrukturprojekten ein. In der Hauptstadt Moskau verfügte Bürgermeister Sergej Sobjanin sogar einen Personalabbau von 15 Prozent.