Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat die Welt in eine tiefe Krise gestürzt. Die Blockade der Straße von Hormus führt dazu, dass deutlich weniger Öl verschifft wird. Fatih Birol, der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), spricht nun eine eindringliche Warnung aus: „Wir stehen vor der größten Bedrohung für die Energiesicherheit in der Geschichte“, sagte er dem US-Sender CNBC.
Massive Verluste bei Öltransporten
Im Jahr 2024 passierten täglich durchschnittlich 20 Millionen Barrel Öl und Erdölprodukte die Straße von Hormus. Doch mittlerweile blockieren sowohl der Iran als auch die USA die Meerenge, sodass Schiffe weder ein- noch ausfahren können. „Bis heute haben wir 13 Millionen Barrel Öl pro Tag verloren“, so Birol. „Es gibt erhebliche Versorgungsengpässe bei lebenswichtigen Rohstoffen.“
Besonders Europa ist betroffen: Rund 75 Prozent seines Kerosins für Flugzeuge stammen aus Raffinerien im Nahen Osten. „Dieser Anteil ist im Grunde genommen jetzt auf null gesunken“, erklärte der IEA-Chef. Europa versuche nun, den Kraftstoff aus den USA und Nigeria zu beziehen. „Wenn wir in Europa derzeit keine zusätzlichen Importe aus diesen Ländern erhalten können, werden wir in Schwierigkeiten geraten.“
Mögliche Einschränkungen des Flugverkehrs
Birol befürchtet weitreichende Konsequenzen. „Ich hoffe vor allem, dass die Meerenge wieder geöffnet wird und die Raffinerieexporte von dort aus wieder anlaufen“, sagte er. Sollte dies nicht geschehen, müsse Europa möglicherweise Maßnahmen ergreifen, um den Flugverkehr einzuschränken.
Waffenruhe zwischen USA und Iran
Zwischen den USA und dem Iran gilt derzeit eine Waffenruhe. US-Präsident Donald Trump hatte diese zuletzt einseitig verlängert. Auf seiner Onlineplattform schrieb er, die Waffen sollten schweigen, bis die iranische Führung mit einem intern abgestimmten Vorschlag an den Tisch komme. Eine konkrete Frist setzte er nicht. Trump hatte zuvor eine Öffnung der Straße von Hormus durch den Iran zur Bedingung für eine dauerhafte Waffenruhe gemacht. Der Schiffsverkehr durch die für den Gas- und Ölhandel wichtige Meerenge ist seit Kriegsbeginn stark eingeschränkt. Trump machte deutlich, trotz Verlängerung der Waffenruhe an der US-Seeblockade festhalten zu wollen. Diese betrifft Schiffe, die aus iranischen Häfen kommen oder diese ansteuern.
Minenräumung könnte Monate dauern
Selbst wenn sich die Kriegsparteien bald einigen sollten, dürfte noch einige Zeit vergehen, bis eine Durchfahrt durch die wichtige Meerenge wieder sicher wäre. Wie die „Washington Post“ berichtet, könnte es sechs Monate dauern, bis die Straße von Hormus vollständig von Minen geräumt ist, die das iranische Militär verlegt hatte. Ein Pentagonvertreter teilte dies am Dienstag dem Kongress mit, wie die Zeitung unter Berufung auf drei anonyme Quellen berichtet. Das würde bedeuten, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts noch weit ins laufende Jahr hinein oder sogar länger anhalten könnten.



