IEA-Chef warnt vor historischer Energiekrise durch Irankrieg
Die internationale Gemeinschaft steht nach Einschätzung von Fatih Birol, dem Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), vor der womöglich schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten. Auslöser ist der seit Ende Februar andauernde Krieg im Iran, dessen Folgen sich zunehmend auf die globale Energieversorgung auswirken.
"Zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem"
Birol beschrieb die aktuelle Situation in einer Ansprache vor dem nationalen Presseklub in Sydney als beispiellos. "Wir erleben zwei Ölkrisen und einen Gaskollaps gleichzeitig", warnte der IEA-Chef und bezog sich dabei auf die Ölkrisen der 1970er Jahre sowie die Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022.
Die Dimensionen seien alarmierend: Während der beiden Ölkrisen in den Siebzigerjahren habe die Welt jeweils etwa fünf Millionen Barrel Erdöl pro Tag verloren. "Bis heute haben wir bereits elf Millionen Barrel pro Tag verloren – das entspricht mehr als zwei großen Ölschocks zusammengenommen", verdeutlichte Birol die Dramatik der Lage.
Kritische Lage in der Straße von Hormus
Seit Beginn des Konflikts am 28. Februar ist die strategisch wichtige Straße von Hormus, die unter Kontrolle der iranischen Revolutionsgarden steht, faktisch gesperrt. Durch diese Meerenge werden etwa:
- Ein Fünftel des weltweiten Öltransports abgewickelt
- Ein erheblicher Teil des globalen Flüssiggastransports geleitet
Die Blockade dieser vitalen Handelsroute sowie iranische Angriffe auf Energieanlagen in der Golfregion haben zu einem rapiden Anstieg der Öl- und Gaspreise geführt. "Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt", mahnte Birol und forderte globale Anstrengungen zur Lösung des Problems.
Militärische Eskalation und wirtschaftliche Gegenmaßnahmen
Parallel zur Energiekrise eskaliert der militärische Konflikt weiter. Die israelische Armee startete eine neue Angriffswelle auf Ziele in Teheran, während Iran seinerseits Angriffe auf mehrere Golfstaaten durchführte. In Teheran wurden Explosionen in mindestens fünf Stadtgebieten gemeldet, aus dem Osten der Hauptstadt stieg stundenlang dichter schwarzer Rauch auf.
Als Reaktion auf die explodierenden Energiepreise beschloss die IEA Mitte März die Freigabe von 426 Millionen Barrel Öl aus ihren strategischen Notvorräten. Dies stellt die sechste und zugleich größte Freigabe in der über 50-jährigen Geschichte der Behörde dar. Trotz dieser Maßnahme setzte sich der Preisanstieg fort.
Region in Alarmbereitschaft
Die Auswirkungen des Konflikts sind in der gesamten Region spürbar:
- Saudi-Arabien meldete die Abwehr eines Marschflugkörpers im Anflug auf Riad
- In Bahrain waren Luftschutzsirenen zu hören, die Behörden riefen die Bevölkerung zur Vorsicht auf
- Die Vereinigten Arabischen Emirate berichteten von eingehenden Raketen- und Drohnenbedrohungen aus Iran
- In Abu Dhabi wurde ein indischer Staatsbürger durch Trümmer eines abgefangenen Marschflugkörpers verletzt
Die Internationale Energieagentur betont die Dringlichkeit einer diplomatischen Lösung, um eine weitere Verschärfung der Energiekrise zu verhindern, die bereits jetzt historische Ausmaße annimmt.



