Ökonom warnt: Hohe Spritpreise bleiben - Neue Inflationsrisiken drohen
Ökonom: Hohe Spritpreise bleiben - Inflationsrisiken drohen

Keine Entwarnung an den Tankstellen: Ökonom prognostiziert anhaltend hohe Preise

Die kurzzeitige Waffenruhe im Iran-Krieg bringt zwar eine leichte Entlastung an den Tankstellen, doch eine Rückkehr zu den Spritpreisen vor der Krise ist laut dem Chefvolkswirt der Bank ING, Carsten Brzeski, nicht in Sicht. Im Interview mit dem Nachrichtenportal „t-online“ warnte der Ökonom vor anhaltend hohen Preisen und neuen Inflationsrisiken für Deutschland und Europa.

Fragile Lage am Persischen Golf als Preistreiber

„Die Tankpreise gehen leicht zurück. Aber eben auch deshalb, weil wir zu Beginn der Woche durch die Eskalation extrem hohe Preise gesehen haben“, erklärte Brzeski. Die aktuelle Waffenruhe sei viel zu brüchig, um eine Normalisierung zu ermöglichen. „Es gibt nach wie vor ein viel zu hohes Risiko weiterer Eskalationen“, betonte der Experte. Zudem bleibe die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus eingeschränkt, was die Lieferketten belaste.

In seinem Basisszenario, das er als fast schon mild bezeichnet, rechnet Brzeski mit weiter erhöhten Energiepreisen. „In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass es noch einmal zu einer Eskalation kommen wird.“ Erst nach einem solchen Ereignis sei mit einer schrittweisen Stabilisierung zu rechnen. „Damit würde über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen die Straße von Hormus langsam wieder aufgehen“, sagte er. Eine vollständige Normalisierung werde jedoch erst im vierten Quartal erwartet.

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Dauerhaft hohe Preise und neue Inflationswelle

Zum Jahresende könnte der Ölpreis bei „knapp unter 90 Dollar pro Barrel Dated Brent“ liegen. „Tankpreise könnten dauerhaft hoch bleiben, wenn auch niedriger als in den vergangenen Tagen“, prognostizierte Brzeski. Für Deutschland und Europa sehe er zudem eine neue Inflationswelle am Horizont. Diese werde „im Sommer in der Spitze auf knapp vier Prozent steigen“ und sich „bis ins erste Quartal 2027 hineinziehen“.

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland schätzt der Ökonom auf „ungefähr bei 0,6 oder 0,7 Prozent“. Im ungünstigsten Fall drohe jedoch eine erneute Eskalation mit erheblichen Folgen: „Im Worst-Case-Szenario scheitern die Friedensbemühungen und es kommt erneut zu einer Eskalation.“ Dann könnten die Ölpreise stark steigen und die Inflation auf „sechs bis acht Prozent“ klettern. „Wir würden über eine leichte Rezession sprechen“, so Brzeski. „Die deutsche Konjunktur wäre für das Gesamtjahr im Minus.“

Die unsichere Lage am Persischen Golf bleibt damit ein zentraler Preistreiber, der Verbraucher und Wirtschaft langfristig belasten könnte. Brzeski mahnt zur Vorsicht: Selbst im besten Szenario seien die Zeiten niedriger Spritpreise vorbei.

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