Pilotprojekt in Lüneburg digitalisiert 300 Ortsnetzstationen für die Energiewende
Die Energiewende bringt einen deutlich erhöhten Strombedarf mit sich. Um genau zu wissen, wo und wann Strom benötigt wird, testet ein innovatives Pilotprojekt im Raum Lüneburg die umfassende Digitalisierung konventioneller Ortsnetzstationen. Dieses Vorhaben soll die Grundlage für ein intelligenteres und effizienteres Stromnetz der Zukunft legen.
Deutschlandweiter Vorreiter im Niederspannungsnetz
„Wir sind deutschlandweit Vorreiter“, betont Florian Hintz, Projektleiter der Smart Energy Region Lüneburg beim Netzbetreiber Avacon. Das Unternehmen hat für dieses ambitionierte Projekt insgesamt 300 Ortsnetzstationen digitalisiert – davon wurden 170 komplett neu errichtet und 130 bestehende Stationen umfassend modernisiert. Viele der bisher grauen und unscheinbaren Trafo-Stationen erhalten dabei sogar ein künstlerisches Upgrade durch Graffiti-Künstler, was laut Hintz zusätzlich vor Vandalismus schützt.
Was im Niederspannungsnetz früher eine regelrechte Blackbox darstellte, wird nun in Echtzeit überwacht, präzise analysiert und bei Bedarf gezielt gesteuert. Der Netzbetreiber Avacon, dessen Versorgungsgebiet von der Nordseeküste bis nach Südhessen reicht, setzt damit neue Maßstäbe in der Netzinfrastruktur.
Digitaler Zwilling ermöglicht exakte Verbrauchsprognosen
Zentrales Element des Projekts ist der Aufbau eines digitalen Zwillings des Stromnetzes. Dieser ermöglicht es, den Stromverbrauch und den zukünftigen Bedarf exakt aufzuzeichnen und präzise zu berechnen. „Durch den Zubau an Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen und Wallboxen hat sich das ursprüngliche Verbrauchsverhalten der Haushalte grundlegend verändert“, erklärt Projektleiter Hintz. Während früher standardmäßig mittags und abends Verbrauchsspitzen auftraten, hat sich dieses Muster insbesondere durch vermehrtes Arbeiten im Homeoffice deutlich gewandelt.
Mit den digitalisierten Ortsnetzstationen können die Netzbetreiber nun zielgerichtet erkennen, wie stark die einzelnen Stationen ausgelastet sind. Seit 2022 testet Avacon diese Technologie in Lüneburg und der umliegenden Region. „Früher haben wir die Netzstationen eher standardmäßig aufgestellt“, so Hintz. „Heute können wir mit den gewonnenen Daten viel besser planen und die Infrastruktur bedarfsgerecht anpassen.“
Echtzeit-Datenübertragung für intelligente Netzsteuerung
Die modernisierten Ortsnetzstationen übermitteln kontinuierlich Echtzeit-Daten an die Leitstelle des Stromnetzbetreibers. Dies ist besonders in Regionen mit gemischter Energieerzeugung von großer Bedeutung. Andreas Formann, Monteur im Netzteam Lüneburg, erläutert: „In manchen Gegenden gibt es viele Wärmepumpen, aber gleichzeitig auch zahlreiche Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern, die Energie dezentral erzeugen. Hier können wir wertvolle Erfahrungen sammeln.“
Das übergeordnete Ziel ist klar: Statt das Stromnetz einfach immer weiter und kostspielig auszubauen, soll durch intelligente Planung und präzise Steuerung die vorhandene Infrastruktur optimal genutzt werden. Dies trägt nicht nur zur Stabilität des Netzes bei, sondern hilft auch, Überlastungen zu vermeiden und die Energiewende effizient voranzutreiben. Das Lüneburger Pilotprojekt zeigt damit einen wegweisenden Ansatz für die Zukunft der deutschen Energieversorgung.



