Frankreichs Energiestrategie: Weniger Wind und Sonne, mehr Atomkraft
Die französische Regierung hat am Donnerstag einen grundlegend neuen Energie-Plan für die kommende Dekade vorgelegt. Das Dokument markiert eine deutliche Kursänderung: Während der Ausbau erneuerbarer Energien stark gedrosselt wird, setzt Staatspräsident Emmanuel Macron (48) mit voller Kraft auf die Atomenergie.
Ökostrom-Ausbau wird massiv zurückgefahren
Der bis 2030 angelegte Plan sieht drastische Kürzungen bei den Ausbauzielen für Wind- und Solarkraft vor. Im Bereich der Solarenergie sollen bis zum Zieljahr nur noch 48 Gigawatt produziert werden - in früheren Planungsentwürfen waren noch 54 Gigawatt vorgesehen. Auch bei der Windkraft an Land wird gekürzt: Statt der bisher geplanten 33 Gigawatt sollen bis 2030 nur noch 31 Gigawatt erreicht werden. Einzig für Offshore-Windkraftanlagen vor der französischen Küste bleiben die Ziele unverändert.
Atomkraft-Offensive trotz explodierender Kosten
Parallel zu den Einschnitten bei den Erneuerbaren treibt Macron den Ausbau der Kernenergie entschlossen voran. Der Energie-Plan bekräftigt die bereits 2022 angekündigte massive Atomkraft-Offensive. Die Produktion soll von 320 Terawattstunden im Jahr 2023 auf 380 bis 420 Terawattstunden steigen. Geplant sind zunächst sechs neue Atomreaktoren vom Typ EPR2 mit einer Option auf acht weitere Einheiten.
Doch der ambitionierte Ausbau steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Der staatliche Kraftwerksbetreiber EDF (Électricité de France) hatte zuletzt angekündigt, dass der Bau der geplanten Reaktoren um etwa 40 Prozent teurer werden wird als ursprünglich veranschlagt. EDF und der französische Staat wollen sich bis Ende März auf einen gemeinsamen Kostenplan einigen. Nach einer Zustimmung aus Brüssel soll die endgültige Investitionsentscheidung Ende 2026 fallen.
Strategische Neuausrichtung nach jahrelangen Verhandlungen
Der neue Energie-Plan verfolgt das erklärte Ziel, "die Produktion dekarbonisierter Energie zu steigern und den Verbrauch fossiler Energie zu drosseln", wie die französische Regierung betont. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Paris neben der Atomkraft auch auf Elektroautos, Wärmepumpen und elektrische Hochöfen. Der Anteil fossiler Energie am Gesamtverbrauch soll von 60 Prozent im Jahr 2023 auf 40 Prozent im Jahr 2030 sinken.
Über den strategischen Kurswechsel wurde seit drei Jahren intensiv verhandelt. Der vorherige Energie-Plan für die Zeit von 2019 bis 2024 sah ursprünglich noch vor, den Anteil der Atomkraft zu senken und 14 Reaktoren zu schließen. Diese Pläne wurden nun komplett revidiert.
Frankreich verfügt derzeit über 57 Atomreaktoren, die knapp 70 Prozent des französischen Stroms erzeugen. Der erste neue Reaktor soll 2038 im Atomkraftwerk Penly am Ärmelkanal in Betrieb genommen werden. Die neuen Anlagen werden in bestehende Kraftwerksstandorte integriert, was die Infrastrukturkosten reduzieren soll.
Die energiepolitische Neuausrichtung Frankreichs markiert einen bedeutenden strategischen Wechsel in Europa und wird die Debatte über die richtige Mischung aus erneuerbaren Energien und Kernkraft in der EU weiter anheizen.



