Ich sage es vorweg: Ich liebe Photovoltaik, was für eine Mega-Erfindung! Wer hätte gedacht, dass bei uns in Deutschland mal die Sonne ausreichen würde, um Strom zu produzieren? Mit Wind und Wasser, okay, aber mit Sonne? In Südeuropa vielleicht, halt da, wo die Sonne lacht und wir ansonsten gern am Strand liegen.
On top ist der Sonnenstrom auch ein Gewinn für die Umwelt. Photovoltaik macht Gewinn. Eigentlich. Ich habe Photovoltaik auf dem Dach, in Köln, ganz ohne Förderung. Es lohnt sich auch ohne, in ein paar Jahren ist alles abbezahlt und ab dann spare ich nicht nur die ganze Förder-Bürokratie – also Nerven – sondern auch Geld. Klar, dass wir auf dem Ferienhaus in Italien auch Paneele haben, wir profitieren dort sogar doppelt. Wie? Dazu später mehr.
Das Problem: Zu viel Solarstrom und doppelte Kosten
Denn jetzt habe ich gerade in BILD gelesen, dass wir in Deutschland an sonnigen Tagen zu viel Solarstrom erzeugen, dass wir die Produktion besser einstellen sollen, damit nicht doppelt bezahlt werden muss: erst für die Speicherung in Österreich und dann bei Sonnenflaute für den Rückkauf. Verstanden? Das ist dämlich!
Deutschland zahlt zweimal für seinen selbstproduzierten Solarstrom. Das ist nicht nur dumm, das ist dämlich. Und selbstverständlich ist keiner schuld. Außer vielleicht? Der Sonnenstrom natürlich! Ich hab’s schon immer gewusst. Alles Mist, alles Fake, ein ruinöser Irrweg grüner Fantasten! Oder?
Ich bin kein Grüner. Und ich hoffe, dass Sie nicht auf die Populisten hereinfallen und den Fehler im System selbst schon gefunden haben. Für alle anderen tut ein bisschen Aufklärung Not.
Die Geschichte der Photovoltaik in Deutschland
Wussten Sie, dass bei uns schon seit 36 Jahren (!) private Haushalte Strom erzeugen? Damals startete das „1000-Dächer-Programm“ mit der Förderung. Photovoltaik war teuer, Speicherbatterien gab es noch nicht. Und was macht ein vorausschauender Staat, wenn Erfindungen die Welt verändern und man mit seinen gut ausgebildeten Bürgern vorn dabei sein will? Eine Anschubfinanzierung, um den Absatz anzukurbeln und damit langfristig die Preise zu drücken.
Heute ist die private Photovoltaik-Anlage samt Speicher nicht nur technisch um Welten effizienter, sondern auch nahezu spottbillig und rentabel. Selbst ein Balkonkraftwerk können sich heute die meisten leisten und damit Stromkosten sparen.
Warum haben wir immer noch nicht genügend Speicher?
Kanzler war seinerzeit ein gewisser Helmut Kohl, Parteichef der nicht gerade für ihr Umweltbewusstsein gewählten CDU. Und wer war paar Jahre später seine Umweltministerin? Richtig, eine gewisse Angela Merkel, ebenfalls CDU und später 16 Jahre Bundeskanzlerin. Ja, so lange ist das schon her, ein halbes Leben. Kinder, was in der Zeit alles passiert ist. Und was nicht.
Mehr als 30 Jahre Strom aus Sonnenenergie und wir zahlen heute noch zu oft drauf. Aber die Frage ist dabei nicht, ob wir nicht schon viel zu viel „teuren“ Solarstrom erzeugen, den wir gar nicht benötigen. Die Frage ist, warum wir mehr als 30 Jahre nach der ersten Weichenstellung und trotz der ehemals schlausten Köpfe der Branche (wir waren Solar-Weltmarktführer!) heute immer noch nicht ausreichend Speicher-Kapazitäten aufgebaut haben – Österreich dagegen schon und verdient damit sogar an uns. Sage niemand, den Erfolg von Solarstrom konnte man nicht kommen sehen.
Jedes EU-Land macht, was es will
Schon vor 15 Jahren hat Deutschland so viel produziert, dass wir ihn verschenken mussten. An Österreich. Nicht missverstehen, ich habe nichts gegen unsere Nachbarn, im Gegenteil. Würde es den längst überfälligen, gemeinsamen Energie-Plan für die EU geben, dann wäre es egal, wer wo wie viel Solar-, Wind- oder Wasserkraft produziert oder speichert. Hauptsache, bei Flaute ist genug billiger Strom für alle da.
Dem ist aber nicht so, jedes EU-Land macht Strom, wie es will. Doppelt blöd, wenn es nicht einmal bei uns einen verbindlichen Plan gibt, wie wir uns Schritt für Schritt schnellstmöglich unabhängig von fossilen Energien machen, und jede neue Regierung wieder besser wissen will, was längst unveränderlich ist.
Italien macht es vor: Intelligentes Strommanagement
Es gibt heute keinen sinnvollen Weg zurück mehr, keine Alternative zu den Erneuerbaren. Wir müssen so viel und schnell in Netze und Speicher investieren, dass Förderung überflüssig wird. Wie vor mehr als 30 Jahren. Wir müssen in schlaue Köpfe investieren, die wieder Lösungen erfinden, die heute unvorstellbar scheinen, wie Solarstrom bevor man ihn nutzbar gemacht hat.
Und zwischenzeitlich kopiert man seine Nachbarn und den Rest der Welt, wo pfiffige Lösungen oft vorliegen. In Italien, zum Beispiel, wo der Strom noch teurer ist als bei uns, werden wir von unserem Stromanbieter am Vortag informiert, wenn zu viel Solarstrom ins Netz eingespeist werden wird, auf die Stunde genau. Warum? Weil wir den Strom geschenkt bekommen, den wir zur angegebenen Zeit mehr verbrauchen als gewöhnlich. Und weil er dann nicht teuer in Österreich gespeichert werden muss. Ein Win-Win für Staat und Verbraucher also. Und so schmeißen Italiener die Waschmaschine an, backen Pizza oder Kuchen für La Mamma. Wer hat, lädt das E-Auto oder lässt die Poolpumpe laufen. Erst gestern wieder.
Klingt gar nicht so dämlich.



