Russland dreht Deutschland den Ölhahn zu: Druschba-Pipeline blockiert
Ab dem 1. Mai 2026 wird kein kasachisches Rohöl mehr über die legendäre Druschba-Pipeline nach Deutschland fließen. Diese Entscheidung Moskaus trifft die Raffinerie in Schwedt im Nordosten des Landes besonders hart, die bisher maßgeblich von diesen Lieferungen abhängig war. Im vergangenen Jahr transportierte die Pipeline noch 2,1 Millionen Tonnen des kostbaren Rohstoffs aus Kasachstan, der essenziell für die Treibstoffversorgung Berlins und der gesamten nordöstlichen Region ist.
Experten warnen vor ernsten Versorgungsengpässen
Die Lage wird zusätzlich verschärft durch die blockierte Straße von Hormus, die wichtige Öllieferungen aus dem Nahen Osten unterbricht. Energiesicherheitsexperte Dr. Frank Umbach äußert deutliche Bedenken: „Es ist fraglich, wie schnell kasachisches Erdöl ersetzt werden kann.“ Der 62-Jährige betont, dass entscheidend sei, wie gut Bund und Länder auf dieses „erwartbare Szenario“ vorbereitet seien. Angesichts „alarmistischer Stimmung“ gebe es jedoch ernsthafte Zweifel an dieser Vorbereitung.
Energie-Ökonom Prof. Andreas Löschel zieht beunruhigende Parallelen zur Gaskrise des Jahres 2022: Ähnlich wie beim Gas über Nord Stream scheine Moskau erneut „mitten in einer der größten Energiekrisen den Transit“ zu stoppen. Löschel fordert daher, dass „rasch Alternativen geprüft werden“ müssen, um kurzfristig die Versorgung der Raffinerien zu gewährleisten. Mittel- bis langfristig brauche es zudem „einen Rückgang des Ölbezugs und robuste sowie diversifizierte Lieferwege“.
Regierung versichert: Versorgungssicherheit gewährleistet
Aus Berlin kommen hingegen beruhigende Signale. Das Bundeswirtschaftsministerium betont, dass die „Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland letztlich nicht gefährdet“ sei. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU zeigt sich zuversichtlich, dass die betroffene Raffinerie in Schwedt ihre Produktion „auf dem Niveau halten“ könne, selbst wenn das kasachische Öl ausbleibt. Auch Regierungssprecher Stefan Kornelius bestätigte am Mittwoch, dass die „Treibstoffversorgung sichergestellt ist“.
Polen als möglicher Rettungsanker
Hinter den Kulissen sucht die Bundesregierung bereits intensiv nach Ersatzlieferanten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters plant Berlin Gespräche mit Warschau, um mehr Rohöl über den polnischen Hafen in Danzig nach Schwedt zu transportieren. Diese Lösung gestaltet sich jedoch kompliziert: Polen hat sich bisher zurückhaltend gezeigt, unter anderem wegen der weiterhin bestehenden Beteiligung des russischen Konzerns Rosneft an der deutschen Raffinerie.
Deutschland verwaltet die Raffinerie Schwedt jedoch treuhänderisch. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wollten westliche Partner kaum noch mit einer russisch kontrollierten Anlage zusammenarbeiten. Die Bundesrepublik hat daher die Kontrolle staatlich übernommen – ohne formale Enteignung. Dieser Schritt ermöglichte es, den Betrieb zu sichern und auf nicht-russisches Öl umzustellen.
Die aktuelle Krise zeigt erneut die Verwundbarkeit der deutschen Energieversorgung und unterstreicht die Dringlichkeit, Lieferwege zu diversifizieren und unabhängiger von einzelnen Anbietern zu werden.



