Commerzbank verlangt von Unicredit konkrete Übernahmepläne
Die Commerzbank wehrt sich seit Monaten gegen die Übernahmeambitionen der italienischen Großbank Unicredit aus Mailand. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Forderung von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp nach Klarheit über die Absichten von Unicredit-Chef Andrea Orcel. Besonders beim heiklen Thema Stellenabbau gibt es erhebliche Bedenken.
Befürchtungen über radikalen Personalabbau
Die Commerzbank befürchtet im Falle einer Übernahme durch Unicredit einen radikalen Stellenabbau, ähnlich dem, der einst bei der Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) stattfand. „Anders kommt man nicht auf eine Kostenquote von 35 Prozent“, erklärte Orlopp in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Um diese von Orcel öffentlich als Zielmarke genannte Kosten-Ertrag-Quote zu erreichen, gebe es laut Orlopp nur zwei Wege: „Erträge erhöhen, was aufgrund der Kundenüberlappung schwierig wird. Oder wir werden eine Niederlassung in einem Konzern und erleben womöglich dasselbe, was wir bei der HVB gesehen haben, einen Personalabbau von zwei Dritteln.“
Unklarheit über Orcels Absichten
Trotz des Übernahmeangebots der Unicredit herrscht bei der Commerzbank weiterhin Verwirrung über die genauen Pläne des italienischen Geldhauses. „Bis heute sind wir im Unklaren, was Unicredit eigentlich will“, sagte Orlopp. Die Unicredit, die mit einem direkten Anteil von 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank ist und insgesamt Zugriff auf knapp unter 30 Prozent der Anteile hat, hatte vor einer Woche ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Aktien des Dax-Konzerns angekündigt. Gleichzeitig teilte die Mailänder Großbank mit, sie erwarte, eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent an der Commerzbank zu erreichen, „ohne die Kontrolle zu erlangen“. Orcel hatte betont, es sei nun „an der Zeit, zu sprechen“.
Gesprächsbereitschaft bei fehlender Konkretisierung
Orlopp bekräftigte in dem Interview, dass sich die Commerzbank Gesprächen nicht verweigere: „Wir haben der Unicredit schriftlich bestätigt, dass wir offen sind für Gespräche - das ist auch unsere Aufgabe, und wir haben damit kein Problem.“ Allerdings müsse Orcel seine Pläne konkretisieren: „Wenn jemand anklopft und sagt, ich habe eine Idee, dann darf man doch erwarten, dass er auch sagt, wie die Idee aussieht.“ Die Unicredit wirbt seit ihrem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 für eine Übernahme. Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp betont hingegen ihre Entschlossenheit, die Eigenständigkeit des Instituts zu verteidigen.



