Geldanlage in unsicheren Zeiten: Expertenrat zu Fonds, ETFs und langfristiger Strategie
Expertenrat: Geldanlage in unsicheren Zeiten mit Fonds und ETFs

Geldanlage in unsicheren Zeiten: Expertenrat zu Fonds, ETFs und langfristiger Strategie

Wie und wo lässt sich erspartes Geld gegenwärtig am besten vermehren? Diese zentrale Frage beschäftigt viele Anleger in Zeiten geopolitischer Krisen, wirtschaftlicher Unsicherheiten und anhaltender Inflation. Beim Telefonforum der Zeitung Nordkurier haben Felix Haschtmann, Armin Schmitz und Axel Schreiter vom deutschen Fondsverband BVI ausführlich Leserfragen rund ums Sparen und die Geldanlage mit Fonds beantwortet.

Die richtige Strategie für bestehende Anlagen

Ein Leser fragte: „Die geopolitischen Krisen, die Weltwirtschaft und die Inflation verunsichern mich. Ich habe Aktien, ETFs, eine Immobilie und Barvermögen. Muss ich meine Anlagen neu ausrichten?“ Die Experten betonten, dass ein hohes Barvermögen durch die Inflation tatsächlich an Kaufkraft verliert. Sie rieten daher, nur so viel Geld auf einem Tagesgeldkonto zu belassen, wie für geplante Ausgaben und als Puffer benötigt wird. Für den Rest bieten sich beispielsweise Mischfonds an, mit denen langfristig eine bessere Rendite möglich ist und so die Inflation ausgeglichen werden kann. Gleichzeitig empfahlen sie, gemeinsam mit einem Berater zu prüfen, ob die bestehenden Anlagen noch im Einklang mit den persönlichen Zielen und der Risikobereitschaft stehen.

Mischfonds: Breite Streuung für verschiedene Anlegertypen

Was sind Mischfonds und für wen eignen sie sich? Mischfonds investieren breit gestreut in verschiedene Anlageklassen, sowohl in Aktien als auch in andere Wertpapiere wie Anleihen oder Geldmarktpapiere. Man unterscheidet zwischen defensiven Mischfonds mit geringem Aktienanteil, ausgewogenen Mischfonds mit etwa gleichen Anteilen in Aktien und Zinspapieren sowie aktienbetonten Mischfonds mit überwiegendem Aktienanteil. Grundsätzlich haben aktienbetonte Fonds höhere Renditechancen als defensive Mischfonds, aber auch ein höheres Schwankungsrisiko. Mischfonds eignen sich besonders für Anleger, die Chancen und Risiken breiter streuen möchten.

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Geldmarkt-ETFs: Stabile Rendite mit Bequemlichkeit

Immer öfter ist die Rede von Geldmarkt-ETFs. Wie funktionieren sie und sind sie sinnvoll? Diese ETFs investieren in sehr kurzfristige Anlagen, die sich am aktuellen Zinsniveau der EZB orientieren. Deshalb liefern sie meist eine stabile, risikoarme Rendite. Gegenüber Tages- oder Festgeld punkten sie vor allem durch Bequemlichkeit: kein ständiger Angebotsvergleich, kein Bankwechsel. Allerdings sollte man darauf achten, dass Depotgebühren und Transaktionskosten möglichst niedrig sind.

Spezielle Situationen: Senioren, Erbschaften und Enkelsparen

Für einen 78-jährigen Leser, der 30.000 Euro möglichst sicher anlegen möchte, rieten die Experten, einen Teil des Geldes als kurzfristige Reserve auf einem Tagesgeldkonto zurückzuhalten – etwa zwei bis drei Monatsbeträge der Rente oder Pension. Den übrigen Betrag könne man in Festgeld mit Laufzeiten von ein bis zwei Jahren anlegen, das etwas höhere Zinsen bringt als täglich verfügbare Konten, aber durch die überschaubare Laufzeit relativ flexibel bleibt.

Bei der Anlage einer Erbschaft betonten die Experten die Wichtigkeit, das Vermögen breit zu streuen und verschiedene Laufzeiten abzudecken. Zunächst sollte eine ausreichend hohe und schnell verfügbare Liquiditätsreserve auf einem Tagesgeldkonto angelegt werden. Anschließend sollten verschiedene Anlageklassen gemäß der persönlichen Risikobereitschaft berücksichtigt werden. Sie empfahlen, mit der Bank zu sprechen und sich ruhig auch ein zweites Angebot zum Vergleich einzuholen.

Für langfristiges regelmäßiges Sparen für Enkelkinder bieten Fondssparpläne mit weltweit anlegenden Aktienfonds oder ETFs gute Renditechancen und viel Flexibilität. Man muss sich dabei auf keine Laufzeit festlegen, kann die Sparrate jederzeit verändern und auch Sondereinzahlungen, etwa zu Geburtstagen, sind jederzeit möglich.

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Langfristige Perspektive und Geduld

Wie lange sollte man in Aktienfonds investieren? Eine vorgeschriebene Mindestzeit gibt es nicht, aber Geduld ist ratsam. Aktienkurse schwanken, manchmal auch stark. Wenn man nur kurz investiert, kann das Risiko hoch sein, dass man in einer schlechten Phase verkaufen muss. Darum ist eine Anlagedauer von mindestens fünf Jahren, besser zehn Jahren oder länger sinnvoll. Je mehr Zeit man hat, desto eher gleichen sich Schwankungen aus und desto höher ist die Chance auf eine attraktive Rendite. Langfristige Vergleiche von Aktienfonds zeigen deutlich, warum ein langer Atem beim Investieren so wichtig ist und das Risiko erheblich senkt.

Warnung vor zweifelhaften Angeboten

Ein Leser berichtete von einem Angebot einer Vermögensverwaltung mit 10 bis 15 Prozent jährlicher Rendite. Die Experten warnten: Renditeversprechen in zweistelliger Höhe sollten hellhörig machen. Der aktuelle Leitzins liegt bei zwei Prozent. Je höher die versprochene Rendite, desto höher ist das Risiko. 10 bis 15 Prozent jährliche Rendite deuten auf eine extrem risikoreiche Anlage hin. Bevor man sich entscheidet, sollten die Risiken umfassend geprüft werden.

Gold als Beimischung und ethische Anlagen

Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen ist Gold durchaus sinnvoll. Der Anteil sollte jedoch nicht mehr als fünf bis zehn Prozent des gesamten Anlagevolumens ausmachen. Denn Gold wirft keine Zinsen oder Dividenden ab. Die Wertentwicklung hängt stark von Rohstoffpreisen und dem US-Dollarkurs ab, entsprechend können die Schwankungen ausfallen.

Für Anleger, die sicherstellen möchten, dass ihr Geld nicht in Branchen fließt, die sie ablehnen, erklärten die Experten, wie man die genaue Auswahl der Unternehmen in einem Aktienfonds prüfen kann. Die genaue Zusammensetzung eines Fonds lässt sich transparent über die Berichte der Fondsgesellschaft nachvollziehen. Insbesondere in den Jahres- und Halbjahresberichten sind die einzelnen Aktienpositionen detailliert aufgelistet. Wenn man zudem verstehen möchte, nach welchen Kriterien die Auswahl erfolgt, finden sich die Anlageziele und Strategien im Verkaufsprospekt sowie im Basisinformationsblatt. Diese Dokumente sind in der Regel auf der Webseite des Anbieters oder über Online-Broker frei zugänglich.

Fazit: Durchhalten und breit streuen

Die Experten betonten immer wieder die Bedeutung von Geduld und einer breiten Streuung. Ob bei Aktienfondssparplänen mit deutschen Werten trotz aktueller Krise oder bei Investitionen in weltweite Aktienfonds mit aktuellen Verlusten – Durchhaltevermögen zahlt sich auf Dauer aus. In Krisenzeiten, bei gesunkenen Aktienkursen, erhält man mehr Fondsanteile für die Sparrate, kauft also günstiger ein. Um nicht einseitig anzulegen und das Risiko besser zu verteilen, ist es ratsam, zusätzlich zu deutschen Werten noch in einem weltweit anlegenden Aktienfonds oder ETF zu sparen.

Für größere Beträge, die in Aktienfonds angelegt werden sollen, rieten die Experten, nicht in einer Summe anzulegen, sondern schrittweise mit mehreren Teilbeträgen zeitlich versetzt über mehrere Monate. So glättet man den Einstiegspreis und reduziert das Risiko, zum ungünstigen Zeitpunkt mit der gesamten Summe einzusteigen.