EZB-Krimi: Lagarde plant vorzeitigen Rückzug - Wer wird neuer Chef der Europäischen Zentralbank?
Lagarde-Rückzug: Wer wird neuer EZB-Chef?

EZB-Krimi um Lagarde-Rückzug: Wer wird neuer Herr über unser Geld?

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht vor einem historischen Führungswechsel. Laut einem Bericht der Financial Times plant Präsidentin Christine Lagarde ihren vorzeitigen Abschied noch vor dem regulären Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2027. Die 70-jährige Französin will demnach bereits vor den französischen Präsidentschaftswahlen im April 2027 ihren Posten verlassen.

Politisches Machtspiel um die Nachfolge

Die mögliche Nachfolge entwickelt sich zu einem politisch hochbrisanten Thema. Der EZB-Präsident wird vom Europäischen Rat für eine Amtszeit von acht Jahren ohne Wiederwahlmöglichkeit gewählt. Lagarde trat 2019 an, doch ihr vorzeitiger Rückzug wirft die Frage auf, wer künftig die Geldpolitik in der Eurozone steuern wird.

Ifo-Präsident Prof. Clemens Fuest betonte gegenüber Medien: „Bei der Kandidatenauswahl spielen politische Aspekte und Fragen der Balance unter den Mitgliedstaaten eine wichtigere Rolle als rein fachliche ökonomische Expertise.“ Die Position des EZB-Chefs sei in hohem Umfang ein politisches Amt.

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Deutsche Kandidaten mit schwierigen Aussichten

Aus Deutschland werden mehrere Namen gehandelt:

  • EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel (54)
  • Bundesbankpräsident Joachim Nagel (59)
  • DIW-Präsident Marcel Fratzscher (55)

Doch Experten sehen für deutsche Bewerber erhebliche Hürden. Solange Ursula von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin im Amt ist, wird es für einen Deutschen in einem weiteren EU-Spitzenposten schwierig bis unmöglich. Von der Leyen wurde erst im Sommer 2024 für weitere fünf Jahre gewählt.

Frankreichs politische Lage zwingt Lagarde zum Handeln

Brisant ist die politische Situation in Frankreich, die Lagarde womöglich zum Rückzug zwingt. 2027 stehen Präsidentschaftswahlen an, bei denen Emmanuel Macron nicht erneut antreten darf. Bis dahin könnte er im Europäischen Rat für einen französischen Nachfolger werben. Andernfalls übernimmt diese Aufgabe der nächste Präsident - und aktuell führt die Rechtsaußenpartei Rassemblement National in den Umfragen.

Aus Frankreich gilt die Ökonomin Hélène Rey (55) als aussichtsreiche Kandidatin. Fuest kommentierte: „Sie ist fachlich überragend gut qualifiziert. Aber es ist unklar, ob es erneut jemand aus Frankreich sein kann.“

Weitere EU-Länder bringen sich in Position

Neben Deutschland und Frankreich positionieren sich weitere EU-Mitgliedstaaten:

  • Der frühere spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos (55)
  • Der niederländische Zentralbankchef Klaas Knot (58)

Die Entscheidung über Lagardes Nachfolge wird nicht nur fachliche Kompetenz, sondern vor allem politische Machtverhältnisse innerhalb der Europäischen Union widerspiegeln. Der Ausgang dieses Personalstreits könnte die Geldpolitik der Eurozone für Jahre prägen.

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