Staatliche Mehreinnahmen: Mehrwertsteuer bringt Milliarden-Plus
Der deutsche Staat verzeichnet bei den Mehrwertsteuereinnahmen einen bemerkenswerten Anstieg. Seit dem Jahr 2019 sind die Einnahmen aus dieser Steuerart um satte 67 Milliarden Euro gestiegen. Konkret erhöhten sich die Einnahmen von 243,2 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 310,2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Dies entspricht einem Plus von 27,6 Prozent.
Inflation als Treiber der Steuereinnahmen
Eine aktuelle Auswertung der Partei BSW zeigt, dass der Staat kräftig von der allgemeinen Inflation profitiert. Die gestiegenen Preise führen automatisch zu höheren Mehrwertsteuereinnahmen, da diese als prozentualer Anteil am Verkaufspreis berechnet wird. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht erklärt dazu: „Der Grund ist dabei nicht die wachsende Wirtschaft, denn seit 2019 gibt es faktisch kein Wirtschaftswachstum. Die Gründe sind die steigenden Preise.“
Doppelte Belastung an der Tankstelle
Besonders deutlich wird dieser Effekt aktuell an den Tankstellen. Auf Benzin und Diesel wird in Deutschland die reguläre Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben. Dabei kommt es zu einer besonderen Situation: Die Mehrwertsteuer fällt auch auf die bereits enthaltene Energiesteuer und den CO₂-Preis an. Diese beiden Komponenten machen zusammen etwa 60 Prozent des Spritpreises aus.
Das bedeutet im Klartext: Steigen die Spritpreise, steigen auch die absoluten Mehrwertsteuereinnahmen des Staates pro Liter. Im März 2026 lagen die Preise rund ums Autofahren um 6,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat – bei einer allgemeinen Inflation von nur 2,7 Prozent.
Politische Kontroverse um Spritpreise
Während Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bestreitet, dass der Staat von gestiegenen Spritpreisen profitiert, sieht die BSW-Gründerin dies anders. Sahra Wagenknecht kritisiert scharf: „Der Staat darf sich nicht noch bereichern, wenn die Preise explodieren!“ Sie wirft der Bundesregierung vor, beim Sprit „Übergewinne“ auf Kosten der Bürger zu machen.
Als konkrete Forderung schlägt Wagenknecht einen Spritpreis-Deckel von 1,50 Euro an den Tankstellen vor. Zusätzlich fordert sie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie von 19 auf nur noch 7 Prozent. Aktuell gilt der reduzierte Steuersatz von 7 Prozent lediglich für ausgewählte Lebensmittel.
Weitergehende steuerpolitische Diskussion
Die Debatte um die Mehrwertsteuer geht sogar noch weiter. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im Bundestag eine Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Sein Argument: Dadurch könnten Spielräume für breite Entlastungen der Bürger geschaffen werden.
Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch ein klares Bild: Der Staat profitiert in erheblichem Maße von der aktuellen Preisentwicklung. Ob diese Mehreinnahmen gerechtfertigt sind oder zu Lasten der Verbraucher gehen, bleibt eine zentrale Frage der aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte.



