Münchner Shoppingtempel fällt durch: Studie platziert Forum Schwanthalerhöhe auf vorletztem Rang
Das Forum Schwanthalerhöhe in München erhält von seinen gewerblichen Mietern ein vernichtendes Urteil. Eine aktuelle Studie des Immobilienberatungsunternehmens Ecostra stuft das 2019 eröffnete Einkaufszentrum in einem bundesweiten Ranking mit insgesamt 237 Shoppingcentern auf den traurigen vorletzten Platz ein. Lediglich 48 Bewertungen von Ladenmietern ergaben die schwache Gesamtnote von 4,4.
Kritik an Standort und Konzept
Joachim Will, Geschäftsführer der Beratungsfirma Ecostra, äußert sich deutlich zur Situation: "Man fragt sich, was das dort soll. Ein Nahversorgungszentrum an diesem Standort ist okay, aber ein Shoppingcenter in dieser Größe hat es nicht gebraucht." Der Experte betont, dass das Center nicht direkt an der U-Bahn liege und Kunden nicht extra zum Shoppen kämen, wenn der Marienplatz mit seiner Fußgängerzone nur wenige Stationen entfernt sei.
Die Mieter kritisierten insbesondere, dass der Ertrag gemessen an den Standortkosten – also Miete und Nebenkosten – nicht stimme. Das Forum Schwanthalerhöhe bietet auf drei Ebenen Platz für 90 Mieter, darunter bekannte Namen wie dm, Hugendubel, Edeka, Lidl, H&M sowie verschiedene Gastronomiebetriebe.
Bayernweiter Vergleich zeigt deutliche Unterschiede
Im Ecostra-Ranking schnitten insgesamt 24 bayerische Shoppingcenter ab. Während das Forum Schwanthalerhöhe das Schlusslicht bildet, zeigt sich das Donau-Einkaufszentrum in Regensburg als Spitzenreiter. Das bereits 1967 eröffnete Center erhielt die Note 2,01 und rangiert bundesweit auf Platz 11.
Von den fünf bewerteten Münchner Einkaufszentren schnitten die Pasing Arcaden am besten ab (bayernweit Platz 5, bundesweit Platz 32), gefolgt vom Pep (bayernweit Platz 9, bundesweit Platz 73) und dem OEZ (bayernweit Platz 13, bundesweit Platz 92).
Radikale Neupositionierung als Rettungsanker
Die Eigentümer, die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft HBB, haben offensichtlich erkannt, dass Veränderungen notwendig sind. Center-Manager Vladimir Tinchev bestätigte gegenüber der AZ, dass das Forum bereits "umfassend neu positioniert" werde.
Das neue Konzept sieht vor:
- Wandel zu einem "urbanen Treffpunkt" mit stärkerem Erlebnis- und Freizeitangebot
- Einrichtung von Karaoke-Räumen und Escape Rooms im ersten Obergeschoss
- Zusätzliche Sport- und Aktivitätsangebote
- Große Erlebnis-Gastronomie mit dem Hot-Pot-Konzept ShooLoongKan im Erdgeschoss (voraussichtliche Eröffnung im April)
Auf der Homepage des Centers werden bereits Aktionen für Kinder beworben, darunter Osterhasenbasteln und Kasperltheater. Die historische Entwicklung des Standorts zeigt zudem, dass bereits Ende 2013 der Möbelriese XXXLutz von der Schwanthalerhöhe auszog, bevor sechs Jahre später das Shoppingcenter eröffnete.
Ob die geplante Transformation vom reinen Einkaufszentrum zum urbanen Erlebnisort die Wende bringen kann, bleibt abzuwarten. Die bisherige Bilanz jedenfalls fällt ernüchternd aus – sowohl für die Mieter als auch für die Betreiber des Forums Schwanthalerhöhe.



