Rattenplage in Bad Doberan: Stadtverwaltung greift auf Privatgrundstück ein
In der Innenstadt von Bad Doberan hat sich eine unhaltbare Situation entwickelt: Ein privates Grundstück ist zur illegalen Müllhalde verkommen und beherbergt mittlerweile eine Rattenpopulation. Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos) zeigt sich angesichts der gesundheitsgefährdenden Zustände verärgert und kündigt entschlossenes Handeln an.
Privatgrundstück als Dauerproblem
Das betroffene Areal gehört einer Berliner GmbH, die Teil eines bundesweiten Firmennetzwerks ist. Auf dem Gelände befinden sich mehrere Objekte, darunter das ehemalige Amtsgericht, Teile eines Gymnasiums sowie Parkflächen. Laut städtischen Angaben sind alle Einheiten vollständig vermietet, doch die Eigentümergesellschaft hat wiederholt ihre Verpflichtungen vernachlässigt.
„Der sichtbare Müll ist nur die Spitze des Eisbergs“, erklärt Bürgermeister Arenz. „Es gab auch massive Probleme mit der Grundversorgung, insbesondere bei Heizung, Hausmeisterdiensten und der Hausverwaltung.“ Dienstleister und Entsorgungsunternehmen seien regelmäßig nicht bezahlt worden, was zu häufigen Wechseln geführt habe. Dies sei die Ursache für die anhaltende Vermüllung.
Gesundheitsgefahr durch Rattenbefall
Die Situation hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschärft. Nach einer privaten Reinigungsaktion von Stadt und Bürgern vor etwa einem Jahr verschlechterte sich die Lage erneut. Mittlerweile muss die Vermüllung aufgrund des Rattenbefalls als akute Gesundheitsgefahr eingestuft werden.
„Auf der Rückseite des Geländes haben Mieter kleine Gartenhäuschen, und nun haben sie Ratten in ihren Gärten“, berichtet Arenz besorgt. Da es sich um Privatgrund handelt, waren die Eingriffsmöglichkeiten der Stadt bisher stark begrenzt.
Ersatzvornahme auf Kosten der Allgemeinheit
In der kommenden Woche wird die Stadtverwaltung nun eine sogenannte Ersatzvornahme durchführen und den Müll auf dem Privatgrundstück eigenständig entsorgen. Der bürokratische Prozess bis zu dieser Maßnahme sei „furchtbar langwierig“ gewesen, so der Bürgermeister.
Die entstehenden Kosten sollen zwar dem Eigentümer in Rechnung gestellt werden, doch Arenz ist skeptisch: „Wir werden keinen Cent davon sehen.“ Die Last trage einmal mehr die Allgemeinheit. Bleibt die Zahlung aus, plant die Stadt eine Sicherung der Forderung über das Grundbuch, was eine spätere Veräußerung der Immobilie erschweren würde.
Forderung nach strengeren Regeln für Eigentümer
Besonders betroffen von der Situation sind die Mieter, die ihre Nebenkosten ordnungsgemäß an den Eigentümer zahlen. Aus diesen Mitteln müssten eigentlich Heizung und Müllabfuhr finanziert werden. „Nebenkosten gelten als Treuhandgelder und gehören rechtlich nicht dem Eigentümer“, betont Arenz.
Sein politischer Wunsch ist klar:
- Eigentümer sollten nach drei nicht gezahlten Monaten bei Nebenkosten unter Zwangsverwaltung gestellt werden können
- Immobilienfirmen sollten Miet- und Nebenkostenkonten strikt trennen müssen
Aber ob sich diese Forderungen durchsetzen lassen, daran hegt der Bürgermeister Zweifel. „Das alles dauert in Deutschland einfach viel zu lang“, kritisiert er die aktuellen Verfahrensweisen. Die Berliner Eigentümergesellschaft hat auf Nachfragen bisher kein offizielles Statement abgegeben.



