Rattenbefall in Bad Doberan: Stadt greift bei vermülltem Privatgrund ein
In der Innenstadt von Bad Doberan hat sich eine unendliche Geschichte der Vermüllung auf einem Privatgrundstück zu einem gesundheitsgefährdenden Problem entwickelt. Mittlerweile muss die Situation aufgrund eines Rattenbefalls als ernsthafte Gefahr für die öffentliche Gesundheit eingestuft werden. Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos) zeigt sich verärgert über die anhaltenden Missstände.
Berliner Firma als Eigentümerin des Problemgrundstücks
Das betroffene Areal gehört der Berliner Firma Nox Nr. 19 Grundbesitz GmbH, die Teil eines bundesweiten Firmengeflechts ist. Das Gelände umfasst mehrere Objekte, darunter das frühere Amtsgericht, Teile des Gymnasiums sowie Parkflächen. Laut städtischen Angaben sind alle Einheiten vollständig vermietet, doch die Eigentümerin hat wiederholt Dienstleister wie Heizungsunternehmen, Hausmeisterdienste und Entsorger nicht bezahlt.
„Der Müll ist das, was man von außen sieht“, erklärt Bürgermeister Arenz, „aber es gab auch massive Probleme mit der Versorgung, also der Heizung oder dem Hausmeisterdienst und der Hausverwaltung“. Die häufigen Wechsel der Dienstleister aufgrund ausbleibender Zahlungen seien der Hauptgrund für die zunehmende Vermüllung des Geländes.
Gesundheitsgefahr durch Rattenbefall eskaliert Situation
Vor etwa einem Jahr organisierten Stadt und Bürger noch eine private Reinigungsaktion, die zunächst Erfolg zeigte. Doch die Situation verschlechterte sich erneut, und nun berichten Anwohner von Ratten in ihren Privatgärten auf der Rückseite des Geländes. „Auf der Rückseite des Geländes haben Mieter Privathäuschen und nun Ratten in ihrem Garten“, so der besorgte Bürgermeister.
Da es sich um Privatgrund handelt, stehen der Stadt nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten zur Verfügung. Dennoch plant die Kommune für die kommende Woche eine sogenannte Ersatzvornahme, bei der der Müll auf Kosten der Allgemeinheit entsorgt wird. „Den Prozess, bis diese Maßnahme nun rechtssicher durchgeführt werden kann, beschreibe ich als furchtbar langwierig“, klagt Arenz.
Stadt will Forderung über Grundbucheintrag sichern
Die anfallenden Kosten für die Reinigungsaktion sollen dem Eigentümer zwar in Rechnung gestellt werden, doch Bürgermeister Arenz ist skeptisch: „Wir werden aber keinen Cent sehen“. Sollte die Zahlung ausbleiben, will die Stadt eine Sicherung der Forderung über das Grundbuch beantragen. „Das tut dem Eigentümer in der Regel schon weh“, erklärt Arenz, da ein entsprechender Eintrag eine Veräußerung der Immobilie erschwert.
Besonders betroffen von der Situation sind die Mieter, die ihre Nebenkosten an den Eigentümer zahlen. Aus diesen Geldern müssten eigentlich Heizung und Müllabfuhr finanziert werden. „Nebenkosten gelten als Treuhandgelder und gehören rechtlich nicht dem Eigentümer“, betont der Bürgermeister.
Bürgermeister fordert strengere Regeln für Immobilienfirmen
Sein politischer Wunsch ist klar: Eigentümer sollten nach drei nicht gezahlten Monaten bei Nebenkosten unter Zwangsverwaltung gestellt werden können. Zudem sollten Immobilienfirmen Miet- und Nebenkostenkonten strikt trennen müssen. „Eigentümer müssen zur Verantwortung gezogen werden“, fordert Arenz entschieden.
Doch ob sich diese Forderungen auf politischer Ebene durchsetzen lassen, daran hegt er Zweifel. „Das alles dauert in Deutschland einfach viel zu lang“, kritisiert der Bürgermeister die bürokratischen Hürden, die schnelles Handeln in solchen Fällen verhindern. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hat die Berliner Eigentümerfirma noch kein offizielles Statement zu den Vorwürfen abgegeben.



