Wohnungsleerstand: Im Osten droht Anstieg auf 14,4 Prozent bis 2045
Wohnungsleerstand: Osten droht Anstieg auf 14,4 Prozent

Für Großstädter ist das Szenario berüchtigt: Wohnungsbesichtigungen mit über 100 Bewerbern. Die Suche nach einer freien Wohnung in einer deutschen Großstadt gleicht einem Glücksspiel – von den exorbitant hohen Mieten ganz zu schweigen. In den ländlichen Regionen hingegen zeigt sich ein völlig anderes Bild. Ein Bericht der Bundesregierung, der kürzlich im Wohnungsausschuss des Bundestages vorgestellt wurde, belegt: „Überdurchschnittlich hohe Leerstandsquoten sind in den vom Bevölkerungsrückgang und Strukturwandel besonders betroffenen ländlichen Regionen zu verzeichnen.“

Bevölkerungsrückgang von einer Million Menschen erwartet

In Ostdeutschland stehen demnach rund 390.000 Wohneinheiten leer, das entspricht etwa zwei Drittel aller leerstehenden Wohnungen in ländlichen Räumen bei einer Leerstandsquote von 7,6 Prozent. In einigen Städten und Gemeinden werden sogar zweistellige Leerstandsquoten erreicht. In Westdeutschland liegt der Leerstand in ländlichen Gebieten bei rund 420.000 Wohneinheiten, was einer Quote von etwa fünf Prozent entspricht. Besonders auffällig: In Westdeutschland stehen 250.000 Einfamilienhäuser leer, in Ostdeutschland rund 77.000.

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die Alterung der Gesellschaft sowie Wanderungsbewegungen Immobilieneigentümer und Kommunen in Zukunft vor große Herausforderungen stellen werden. Allein in Ostdeutschland wird in ländlichen Räumen ein Bevölkerungsrückgang von rund einer Million Einwohnern bis 2045 erwartet. Der Leerstand in Mehrfamilienhäusern werde voraussichtlich von 9,3 Prozent im Jahr 2025 auf 14,4 Prozent im Jahr 2045 steigen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Lay: „Viele Mietwohnungsblöcke nicht saniert“

Caren Lay, Vorsitzende des Ausschusses und Bundestagsabgeordnete der Linken aus Sachsen, betonte: „Leerstand ist allerdings kein reines Ost-Thema. Es gibt Zuzug in Städte und Wegzug aus ländlichen Regionen in Ost wie West. Aber im Osten gab es viele Mietwohnungsblöcke, die leider nicht mehr saniert, teils bis heute abgerissen werden.“ Der Wohnungsleerstand im Osten sei das Ergebnis einer verfehlten Strukturpolitik. Die Linke fordert eine bessere und systematische Wirtschaftspolitik für den Osten, die De-Industrialisierung stoppt und systematische Ansiedlungen, gute Arbeitsplätze sowie bessere Verkehrsverbindungen von Kleinstädten in die Zentren schafft.

Forderung: Altschulden aus der DDR erlassen

Lay machte zudem deutlich, dass Leerstand keinen entspannten Wohnungsmarkt für Mieter bedeute. Besonders Menschen mit wenig Einkommen – und davon gebe es in Ostdeutschland sehr viele – stünden massiv unter Druck. Auch im Osten stiegen die Mieten kontinuierlich. Sie nannte ein Beispiel aus dem Sale-Holzland-Kreis in Thüringen: „Da werden einerseits leerstehende Wohngebäude abgerissen und auf der anderen Seite sind die Mieten von 2023 auf 2024 um fast 14 Prozent gestiegen. Das ist doch Irrsinn.“

Die Linkspolitikerin forderte „erhebliche Erleichterungen und finanzielle Förderung beim Kauf von leerstehenden älteren Gebäuden in Ostdeutschland. Sinnvoll sind Sanierungen und der Umbau der alten Gebäudestrukturen. Zudem braucht es ein attraktives Umfeld mit Nahversorgung, ÖPNV, Schulen und Kitas. Dafür brauchen die Kommunen Geld.“ Die Altschulden, die den kommunalen Wohnungsunternehmen bei der Wende aufgedrückt worden seien, müssten erlassen werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration