Zuckerfabrik Anklam: Umweltbeirat feiert 10 Jahre nach Fischsterben-Katastrophe
Anklamer Zuckerfabrik: 10 Jahre Umweltbeirat nach Fischsterben

Ein Jahrzehnt der Veränderung: Wie die Anklamer Zuckerfabrik aus der Krise lernte

Vor genau zehn Jahren stand die Anklamer Zuckerfabrik am Scheideweg. Während bereits Pläne für eine Betriebserweiterung im Raum standen, erschütterte 2015 die sogenannte Ethanol-Katastrophe die Region: Tausende tote Fische trieben in der Peene, vergiftet durch einen Ethanolaustritt aus dem Betrieb. Dieser Vorfall, der als „Druck der toten Fische“ in die Unternehmensgeschichte einging, zwang zu einem radikalen Umdenken und legte den Grundstein für den Umwelt- und Öffentlichkeitsbeirat, der nun sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Vom Skandal zum Modell der Transparenz

Matthias Sauer, damaliger Chef der Zuckerfabrik und heute im Ruhestand, erinnert sich deutlich an die turbulenten Zeiten. „Der öffentliche Druck war immens, besonders im bereits schwierigen Genehmigungsverfahren für unsere Erweiterungspläne“, erklärt er. Als Reaktion gründete das Unternehmen den Umweltbeirat, der zwar nicht öffentlich tagt, aber mit rund 20 Mitgliedern aus Landwirtschaft, Nachbarschaft und Fachkreisen für interne Transparenz sorgt. Michael Galander, Bürgermeister von Anklam und Vorsitzender des Gremiums, betont: „In 43 Sitzungen über zehn Jahre haben wir offen und kritisch beraten – das war ein entscheidender Schritt.“

65 Millionen Euro für die Umwelt und ein neues Mindset

Die Katastrophe von 2015 machte deutlich: Ein Weiter-So war nicht möglich. Michael Engel, heutiger Geschäftsführer der Cosun Beet Company, zu der die Anklamer Fabrik gehört, erklärt: „Die Genehmigungsbehörden hätten höhere Produktionsmengen unter alten Bedingungen nie zugelassen.“ Daher investierte das Unternehmen in den vergangenen Jahren rund 65 Millionen Euro in Umweltmaßnahmen – eine gewaltige Summe, die gerade in Zeiten niedriger Weltmarktpreise und Zuckermarktkrisen schwer zu stemmen war. Diese Investitionen waren jedoch Voraussetzung für die geplante Betriebserweiterung und zukünftiges Wachstum.

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Der Beirat als Brücke zwischen Industrie und Umwelt

Ein besonderes Merkmal des Anklamer Modells ist die Einbindung von Umweltverbänden. Stefan Schwill, Chef des Nabu, sitzt regelmäßig am Tisch – keine Selbstverständlichkeit in der Industrie. Matthias Sauer räumt ein: „Gerade Umweltverbände werden oft außen vor gelassen. Wir mussten aufgrund des damaligen Drucks einen anderen Weg gehen.“ Dieser Ansatz führte zu einem wichtigen Umdenkprozess: Das Beschwerdemanagement wird nicht länger als Nestbeschmutzer angesehen, sondern als konstruktive Stütze für die Produktion.

Zukunftssicherung durch strategische Projekte

Heute steht die Zuckerfabrik vor neuen Herausforderungen. Michael Engel betont: „Wachstum bleibt extrem wichtig, um zu bestehen. Aber wir müssen die richtigen Weichen stellen.“ Dazu gehört das Bundesförderprojekt „BiogeniV“, an dem die Stadt Anklam, die Zuckerfabrik und weitere Partner aus Wirtschaft und Forschung beteiligt sind. Gleichzeitig bereitet sich das Unternehmen auf ein neues Genehmigungsverfahren vor, um die Biogassparte deutlich zu erweitern. Auch hier soll der Umweltbeirat beratend zur Seite stehen. Engel stellt klar: „Investitionen sind nur möglich, wenn passende Absatzmärkte existieren und die Politik diesen Märkten Sicherheit gibt.“ Mit ihrer heutigen Genehmigungslage sieht sich die Anklamer Zuckerfabrik im europäischen Vergleich weit vorn – ein Beleg dafür, dass Transparenz und Umweltengagement sich langfristig auszahlen.

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