Heute vor genau 30 Jahren erlebte der deutsche Fußball einen seiner emotionalsten Momente: Der 1. FC Kaiserslautern stieg erstmals in seiner Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab. Das dramatische Saisonfinale am 18. Mai 1996 ließ Spieler und Fans gleichermaßen in Tränen ausbrechen. SPORT1 blickt zurück auf das bittere Abstiegsdrama.
Neuerungen in der Saison 1995/96
Die Bundesliga-Saison 1995/96 brachte bedeutende Neuerungen mit sich, die teilweise bis heute gültig sind. Die Spieler erhielten feste Rückennummern, ihre Namen wurden auf die Trikots gedruckt. Statt wie zuvor zwei waren nun drei Einwechslungen erlaubt, und für einen Sieg gab es drei Punkte. Ziel war es, den Offensivfußball zu fördern. Doch dieser Schuss ging nach hinten los: Nur in zwei Spielzeiten zuvor waren weniger Tore gefallen, und eine Mannschaft stellte den bis heute gültigen Unentschiedenrekord auf. Diese Mannschaft bereute dies mit dem ersten Abstieg der Klubgeschichte: den 1. FC Kaiserslautern.
Das tränenreiche Endspiel um den Klassenerhalt
Der Spielplan wollte es so, dass am letzten Spieltag zwei Klubs aufeinandertrafen, die mit Ambitionen auf das internationale Geschäft in die Saison gestartet waren: Bayer Leverkusen und der 1. FC Kaiserslautern. Der FCK hatte in der Abstiegssaison sogar im UEFA-Pokal gespielt und das DFB-Pokalfinale erreicht, was ein Teil des Problems war, da dies den Blick für die Probleme im Ligaalltag trübte.
Die Probleme waren immens. Nach den Abgängen von Stefan Kuntz und Ciriaco Sforza fehlte es an Führungsspielern. Der in der Winterpause verpflichtete brasilianische Rekordtransfer Arilson (Kosten: vier Millionen Deutsche Mark) enttäuschte und wurde am Saisonende zurückgeschickt.
Bundesliga-Rekord: 17 Unentschieden
Das Team verlernte das Siegen und sammelte vor dem letzten Spieltag 17 Unentschieden. Besonders auf dem eigenen Platz, der sich in einem miserablen Zustand befand, taten sie sich schwer. Der Mannschaftsrat beschwerte sich dreimal beim Vorstand. Im März wurde Trainer Friedel Rausch entlassen, doch Nachfolger Eckhard Krautzun führte die Mannschaft nicht aus dem Tabellenkeller. So kam es am 18. Mai 1996 zum Showdown: Leverkusen empfing als Vierzehnter den Sechzehnten aus der Pfalz. Dem FCK half nur ein Sieg; der Vorstand setzte eine Prämie von 500.000 Mark für die Mannschaft aus.
Fairplay mit Füßen getreten
5.000 Fans begleiteten die Roten Teufel nach Leverkusen, das Stadion war ausverkauft (19.500 Zuschauer). Nach 58 Minuten war das Wunder nahe: Pavel Kuka köpfte das 1:0 für den FCK. Dann vergab der Tscheche leichtfertig das 2:0, was sich rächen sollte. Als Lautern Leverkusen einen Einwurf schenkte, um die Behandlung von Olaf Marschall zu ermöglichen, trat Bayer-Star Paulo Sergio das Fairplay mit Füßen und gab den Ball nicht zurück. Der Brasilianer warf zu seinem Torhüter ein, und aus dessen Abschlag auf Rudi Völler resultierte der Freistoß-Abpraller, den Markus Münch zum 1:1 nutzte (82. Minute).
Der erste Abstieg nach 33 Jahren
Das bedeutete den ersten Abstieg des FCK. Nach 33 Jahren, 1118 Spielen und 1828 Toren wurde ein vorläufiger Schlussstrich unter das Bundesliga-Kapitel des 1. FC Kaiserslautern gesetzt. Selten wurden mehr Tränen nach einem Abstieg vergossen, sogar im Fernsehstudio. Die Nation litt mit, als Lauterns 2024 verstorbener Kapitän Andy Brehme bei Sky-Vorgänger Premiere in den Armen seines Weltmeister-Kumpels Rudi Völler weinte.
Eine Woche später gewann Kaiserslautern immerhin den DFB-Pokal durch ein 1:0 gegen den Karlsruher SC. Ein Jahr später waren die Roten Teufel wieder in der Bundesliga, ein weiteres später Deutscher Meister. Doch das ist eine andere Geschichte.



