Ifo-Chef Clemens Fuest: Energieintensive Industrie in Deutschland vor dem Aus
Ifo-Chef: Energieintensive Industrie in Deutschland vor dem Aus

Ifo-Chef Clemens Fuest sieht schwarz für energieintensive Industrie in Deutschland

Der renommierte Ökonom Clemens Fuest, Chef des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, hat eine düstere Prognose für die deutsche Industrie abgegeben. In einem aktuellen Interview mit dem Portal „Pioneer“ erklärte der 57-Jährige deutlich: „Energieintensive Industrie hat keine Zukunft bei uns.“ Diese Aussage trifft insbesondere Branchen wie die Stahl- und Chemieindustrie hart, die traditionell stark von bezahlbarer Energie abhängig sind.

Politische Entscheidungen und hohe Energiepreise als Hauptprobleme

Fuest führt die prekäre Situation auf mehrere Faktoren zurück. „Wir haben uns entschieden, ein Land zu sein, in dem Energie knapp ist. Das haben wir politisch alle gemeinsam so gewählt und die Konsequenzen müssen wir jetzt tragen“, so der ifo-Chef. Damit spielt er auf den Ausstieg aus der Kernenergie und die noch nicht ausreichend organisierte Expansion der erneuerbaren Energien an. Der Bau neuer Kernkraftwerke wäre laut Fuest keine Lösung: „Das wäre sehr, sehr teuer, das würde ewig dauern. Das hilft uns jetzt nicht.“

Die hohen Energiepreise in Deutschland stellen ein massives Problem dar. Der ifo-Wissenschaftler Timo Wollmershäuser warnt in der „Süddeutschen Zeitung“: „Die hohen Energiepreise fressen sich durch die ganze Wirtschaft.“ Unternehmen erhöhen zunächst nicht ihre Preise bei kurzfristigen Energiepreissteigerungen, doch bei länger anhaltenden Belastungen geben sie die Kosten an die Verbraucher weiter. Dies führt zu einem allgemeinen Preisanstieg für Waren und Dienstleistungen, was die wirtschaftliche Lage zusätzlich verschärft.

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Kein Aufschwung in Sicht – Investitionen sinken weiter

Fuest erwartet keinen baldigen Wirtschaftsaufschwung. Im Gegenteil: „Die Investitionen in Deutschland sinken, und zwar die Investitionen des privaten Sektors. Und die sind auch im letzten Quartal weiter gesunken. Also, da ist noch nichts gekommen.“ Das geringe Wachstum von 0,8 Prozent im letzten Berichtszeitraum sei hauptsächlich auf Staatsausgaben zurückzuführen. „Wir haben keinen Aufschwung im privaten Sektor“, stellt Fuest klar.

Zusätzlich belastet der Iran-Konflikt die deutsche Wirtschaft, da er die Kosten für Energie, insbesondere Öl, in die Höhe treibt. Diese geopolitischen Spannungen verschärfen die ohnehin angespannte Lage für energieintensive Unternehmen. Die Kombination aus strukturellen politischen Entscheidungen, hohen Energiepreisen und geopolitischen Unsicherheiten schafft eine toxische Mischung für die industrielle Zukunft Deutschlands.

Die Prognose von Clemens Fuest unterstreicht die dringende Notwendigkeit für politische und wirtschaftliche Anpassungen. Ohne eine schnelle und effektive Reorganisation der Energieversorgung und eine Stabilisierung der Preise könnte die energieintensive Industrie tatsächlich langfristig aus Deutschland verschwinden, mit weitreichenden Folgen für den Arbeitsmarkt und die gesamte Volkswirtschaft.

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