Klaus Josef Lutz hat sein Amt als Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern niedergelegt. Der Schritt erfolgte einen Tag nach Bekanntwerden von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den früheren Baywa-Chef. Damit verliert Lutz auch den Vorsitz des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK).
Die IHK teilte mit, dass Lutz zudem bei der im April anstehenden Wahl nicht für ein Mandat in der Vollversammlung kandidieren werde. Der Münchner Unternehmer Peter Inselkammer übernimmt das Amt des IHK-Präsidenten vertretungsweise. Die nächste BIHK-Vollversammlung wird Thomas Leebmann, Präsident der IHK Niederbayern, leiten.
Lutz war seit 2021 Präsident der IHK München und Oberbayern. Zum Zeitpunkt seiner Wahl stand er noch an der Spitze des Mischkonzerns Baywa, der später in Schieflage geriet. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Lutz wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Baywa-Krise. Lutz hat bisher jede Verantwortung zurückgewiesen; es gilt die Unschuldsvermutung.
Lutz leitete den Baywa-Vorstand von 2008 bis Frühjahr 2023 und wechselte danach an die Spitze des Aufsichtsrats, bevor er auch diesen Posten Anfang 2024 abgab. Den Jahresabschluss 2023 hatte er nicht unterschrieben. Der Konzern war im Sommer 2024 in Schieflage geraten und ist einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ursache waren hohe Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro an Bankkrediten, die das Unternehmen im Zuge einer von Lutz gesteuerten internationalen Expansion aufgenommen hatte.
Der Sanierungsplan der jetzigen Führung sieht vor, bis Ende 2028 vier Milliarden Euro Kredite abzuzahlen. Dafür sollen rund zwei Drittel der früheren Baywa-Geschäfte verkauft werden, hauptsächlich die Auslandstöchter, die unter Lutz' Regie auf Kredit gekauft worden waren.



