Jungheinrich streicht 500 Stellen in Deutschland: Profitables Werk schließt
Der weltbekannte Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich baut massiv Stellen ab und schließt ein deutsches Werk. Insgesamt fallen 500 Arbeitsplätze in Deutschland weg, während weltweit sogar 1000 Stellen gestrichen werden. Besonders betroffen sind die Standorte in Lüneburg in Niedersachsen und Norderstedt in Schleswig-Holstein, wo jeweils dreistellige Stellenanzahlen verloren gehen.
Produktion in Lüneburg wird eingestellt
Spätestens Ende März 2027 soll die Produktion im Werk Lüneburg vollständig eingestellt werden. Dies steht nach monatelangen, intensiven Verhandlungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaft nun fest. Von dieser Schließung sind 160 Mitarbeiter direkt betroffen, die ihre Arbeitsplätze verlieren. Lediglich die Bereiche Konstruktion und Verwaltung mit insgesamt 125 Stellen bleiben am Standort erhalten.
Für die betroffenen Angestellten in Lüneburg haben sich Jungheinrich und die IG Metall auf einen umfassenden Sozialplan geeinigt. Dieser sieht Abfindungen sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor, um den Beschäftigten den Übergang zu erleichtern. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete diese Einigung als „sozialverträgliche Lösung“ und einen wichtigen Schritt im laufenden Transformationsprogramm.
Gewerkschaft kritisiert Entscheidung scharf
Die IG Metall bewertet den ausgehandelten Sozialplan zwar als Erfolg, übt jedoch deutliche Kritik an der grundsätzlichen Entscheidung zur Werksschließung. „Wir sprechen bei Jungheinrich in Lüneburg nicht über einen Sanierungsfall, sondern über die Aufgabe einer profitablen Produktion“, betonte Lennard Aldag von der IG Metall Celle-Lüneburg. Diese Aussage erscheint vor dem Hintergrund der Unternehmenszahlen besonders bemerkenswert.
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die börsennotierte Jungheinrich AG einen beachtlichen Überschuss von 289 Millionen Euro bei einem Umsatz von rund 5,4 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat sich sogar das ambitionierte Ziel gesetzt, den Umsatz bis 2030 auf zehn Milliarden Euro zu steigern. Dennoch werden nun profitable Standorte geschlossen.
Weltweiter Stellenabbau und Streikaktionen
Neben den 500 Stellen in Deutschland verteilen sich die weiteren 500 wegfallenden Arbeitsplätze auf die 41 Auslandsorganisationen des Unternehmens. Besonders betroffen sind neben den Produktionsstandorten auch die Zentrale in Hamburg sowie die Vertriebsorganisation.
Die Produktionsbeschäftigten in Lüneburg befanden sich seit dem 20. November im unbefristeten Streik, der über 80 Tage andauerte und immer wieder zu Produktionsstillständen führte. Diese langen Arbeitsniederlegungen unterstreichen die emotionale Betroffenheit der Belegschaft.
Wirtschaftlicher Druck als treibende Kraft
Hinter dem umfangreichen Sparprogramm steht vor allem der wachsende Preisdruck auf dem internationalen Markt. Produkte chinesischer Anbieter sind zwar technisch nicht vergleichbar mit den hochwertigen Jungheinrich-Modellen, aber deutlich günstiger. Im mittleren Einsatzsegment kosten Gabelstapler aus Asien nur etwa die Hälfte der deutschen Modelle.
Gleichzeitig verfolgt Jungheinrich eine interessante Doppelstrategie: In einem Gemeinschaftsunternehmen mit EP vertreibt das Unternehmen seit dem vergangenen Herbst in Europa auch Fahrzeuge des drittgrößten chinesischen Herstellers. Diese Kooperation mit der Konkurrenz zeigt, wie stark der Anpassungsdruck in der Branche mittlerweile ist.
Die Schließung des profitablen Werks in Lüneburg markiert einen tiefgreifenden Einschnitt für die deutsche Industrielandschaft und wirft Fragen zur Zukunftsfähigkeit traditioneller Produktionsstandorte in Hochlohnländern auf.



