Sächsische Industrie im Umbruch: Studie zeigt großen Nachholbedarf bei Dekarbonisierung
Die sächsische Wirtschaft steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Bis zum Jahr 2045 soll sie klimaneutral werden. Eine aktuelle Studie, die im Auftrag des sächsischen Wirtschaftsministeriums erstellt wurde, offenbart jedoch, dass viele kleine und mittlere Unternehmen bei der Umstellung auf klimafreundlichere Produktionsprozesse noch ganz am Anfang stehen. Während große, energieintensive Industrien bereits konkrete Fahrpläne verfolgen, herrscht im Mittelstand noch erhebliche Unsicherheit.
Technische und wirtschaftliche Hürden für Betriebe
Die Umstellung auf CO2-freie Prozesse stellt für zahlreiche Betriebe sowohl eine technische als auch eine wirtschaftliche Herausforderung dar. Viele Unternehmen sind unsicher, welche Technologien sich für ihre spezifischen Bedürfnisse eignen, wie die notwendigen Investitionen finanziert werden können und welche Rolle Strom, Wasserstoff sowie Effizienzmaßnahmen in ihrem individuellen Transformationsprozess spielen werden. Diese Unklarheiten bremsen den Fortschritt deutlich aus.
Wirtschaftsminister Dirk Panter von der SPD sieht in dieser Transformation jedoch nicht nur eine Pflicht, sondern vor allem eine große Chance. „Der klimabewusste Umbau unserer Wirtschaft ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern findet bereits statt“, betonte Panter. Wer jetzt zügig und entschlossen handle, der sichere langfristig die Wettbewerbsfähigkeit, den Wohlstand und die Arbeitsplätze in Sachsen.
Energieverbrauch der Branchen im detaillierten Blick
Die umfangreiche Studie hat insgesamt 19 verschiedene Wirtschaftszweige sowie ausgewählte Bereiche des Handwerks unter die Lupe genommen. Die analysierten Branchen verbrauchen in Sachsen zusammengenommen etwa 15,5 Terawattstunden Endenergie pro Jahr. Bemerkenswert ist, dass davon bereits rund 42 Prozent elektrifiziert sind. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch liegt im Freistaat derzeit bei ungefähr 28 Prozent.
Als besonders energieintensive Sektoren identifiziert die Studie:
- Die Papierindustrie mit einem jährlichen Verbrauch von etwa 2,2 Terawattstunden
- Die Ernährungs- und Getränkeindustrie mit 2,1 Terawattstunden
- Die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten wie Computern oder Druckern mit 2,0 Terawattstunden
Um die Treibhausgasemissionen signifikant zu reduzieren, muss der Einsatz fossiler Energieträger wie Erdgas, Öl oder Kohle schrittweise durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden. Als zentrale Stellschrauben für diese Transformation gelten umfassende Effizienzmaßnahmen, eine weiter vorangetriebene Elektrifizierung sowie der Wechsel zu erneuerbaren Brennstoffen wie Biogas oder grünem Wasserstoff.
Praktische Hilfestellung durch Branchensteckbriefe
Die Studie bietet den Unternehmen nicht nur eine Analyse, sondern auch konkrete Hilfestellung. Sie enthält detaillierte Branchensteckbriefe mit spezifischen Dekarbonisierungsoptionen für Schlüsselindustrien wie Glas, Keramik, Papier, Chemie und Pharma, Maschinenbau oder die Lebensmittelindustrie. Selbst für Handwerksberufe wie Bäcker, Fleischer und Textilreiniger gibt es entsprechende, praxisnahe Übersichten.
Minister Panter unterstrich zudem die überragende Bedeutung einer leistungsfähigen Energieinfrastruktur für das Gelingen der gesamten Transformation. „Entscheidend für die Umsetzbarkeit von Dekarbonisierungstechnologien ist die vorgelagerte Energieinfrastruktur“, erklärte der Minister. Zuverlässige Netzanschlüsse und der Zugang zu bezahlbaren grünen Energieträgern seien unabdingbare Voraussetzungen für den Erfolg.
Die fundierte Studie wurde von der renommierten Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München im Auftrag der Sächsischen Energieagentur Saena erarbeitet. Sie liefert damit eine wichtige Grundlage für den anstehenden, notwendigen Wandel der sächsischen Industrie hin zu einer klimaneutralen Zukunft.



