Umweltminister Schneider fordert Standort-Patriotismus bei grünem Stahl
Schneider: Mehr Standort-Patriotismus von Autoherstellern

Umweltminister Schneider fordert mehr Standort-Patriotismus von deutschen Autoherstellern

Bundesumweltminister Carsten Schneider von der SPD hat sich in einem aktuellen Interview deutlich für eine klimafreundlichere Stahlproduktion in Deutschland ausgesprochen. Der Minister bekennt sich dabei klar zu staatlicher Förderung, nimmt aber gleichzeitig die Automobilindustrie in die Pflicht und fordert mehr Engagement für heimische Rohstoffe.

Appell an die Automobilkonzerne

»Ein bisschen mehr Standort-Patriotismus können wir schon erwarten von den Konzernen«, erklärte Schneider gegenüber der Frankfurter Rundschau. Deutschland benötige weiterhin eine eigene, funktionierende Stahlproduktion, um sowohl unabhängig als auch wirtschaftlich stark zu bleiben. Aus diesem Grund sei staatliche Unterstützung für Unternehmen wie Thyssenkrupp auf dem Weg zur Dekarbonisierung von entscheidender Bedeutung.

Der SPD-Politiker lehnte dabei Vorschläge ab, Stahlvorprodukte beispielsweise in Saudi-Arabien zu beziehen, wo die Energiekosten deutlich niedriger liegen, um diese anschließend in Deutschland lediglich zu veredeln. Stattdessen setzt sich Schneider für Leitmärkte ein, die Stahl aus grünem Wasserstoff herstellen.

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Grüner Stahl als Zukunftschance

»Es ist gut, dass die Bahn jetzt erstmals grünen Stahl aus Europa für ihre Schienen kauft«, betonte der Umweltminister. »Auch für Autos würde sich das anbieten. Bislang halten sich die Automobilhersteller jedoch noch zurück.« Dieses zögerliche Verhalten bedauere er ausdrücklich.

Schneider stellte aber auch neue Anreize in Aussicht, um die Industrie zu motivieren. »Wer zum Beispiel nach 2035 noch Plug-in-Hybride auf den Markt bringen will, kann die Mehremissionen ausgleichen, indem er grünen Stahl in der Produktion verwendet«, erläuterte der Minister. »Das ist die deutsche Position, für die wir in Brüssel antreten. Ich weiß, dass das nicht jedem in der Branche gefällt.«

EU-Regelungen und industrielle Herausforderungen

Dieser spezifische Anreiz für grünen Stahl wurde im sogenannten Autopaket der EU-Kommission vorgeschlagen. Das Paket lockert die bislang geplanten EU-Regeln für CO₂-Emissionen von Neuwagen und ist deshalb hochumstritten. Die Autoindustrie lobbyiert intensiv für Erleichterungen, da sich die Verkäufe von Elektroautos bisher nicht wie erhofft entwickelt haben.

Kritiker sehen in diesen Lockerungen jedoch eine gefährliche Verwässerung von Klimaschutzmaßnahmen. Vor diesem Hintergrund betont Schneider die Notwendigkeit einer eigenständigen, nachhaltigen Stahlproduktion in Deutschland. »Darum bin ich auch dafür, dass wir in Europa bevorzugt bei europäischen Anbietern einkaufen«, so der Umweltminister abschließend.

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