Die Bundesbank schlägt Alarm: Der Krieg im Nahen Osten droht die zarte konjunkturelle Erholung in Deutschland im Keim zu ersticken. Die durch den Konflikt ausgelösten Preissteigerungen breiten sich in der gesamten Volkswirtschaft aus, warnt das Institut. Vom ursprünglich für 2026 erwarteten Aufschwung werde daher vermutlich nicht viel übrig bleiben.
Theurer: Geopolitische Risiken manifestiert
Bundesbank-Vorstand Michael Theurer rechnet mit längerfristigen Auswirkungen des Nahostkriegs. „Von kurzfristigen Auswirkungen kann zwei Monate nach Ausbruch schon keine Rede mehr sein. Geopolitische Risiken haben sich manifestiert“, sagte Theurer der Nachrichtenagentur Reuters. Der Krieg würge das „zarte Pflänzchen“ einer konjunkturellen Erholung in Deutschland ab. Die meisten Ökonomen und auch die Bundesregierung hatten ihre Wachstumserwartungen zuletzt deutlich nach unten korrigiert. Aktuell wird noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von rund 0,5 Prozent in diesem Jahr gerechnet. Die Inflation dürfte eher bei drei als bei zwei Prozent liegen – eine direkte Folge des Irankriegs, der die Spritpreise an den Tankstellen nach oben getrieben hat.
EZB könnte Leitzins anheben
„Analysten weisen darauf hin, dass sich diese Energiepreiserhöhungen durch die gesamte Volkswirtschaft durchfressen“, sagte Theurer, der bei der deutschen Notenbank für Finanzstabilität und Bankenaufsicht zuständig ist. „Die Lehre aus dem Inflationsanstieg nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vor vier Jahren zeigt, dass Notenbanken hier äußerst achtsam sein müssen.“ Im EZB-Rat zeichnet sich Insidern zufolge eine Bereitschaft zu Zinserhöhungen ab. Sollte sich die Lage nicht ändern, steuere man auf eine erste Zinserhöhung im Juni zu.
Bei deutlich steigenden Inflationsraten steuern Zentralbanken in der Regel mit Anhebungen des Leitzinses gegen. Unternehmen und Privatleute können dann nur noch zu teureren Konditionen Kredite aufnehmen. Weil dies aber auch zu einer Abnahme der wirtschaftlichen Aktivität führt, sind Zinsanhebungen bei Politikern unbeliebt. In den USA etwa liefert sich Präsident Trump seit Langem eine Fehde mit dem Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell. Trump will niedrige Zinsen für höheres Wirtschaftswachstum, die Fed hingegen fürchtet einen Anstieg der Inflation.



