Iran-Krieg verschärft Geldsorgen: Spritpreise, Börse und Gold im Sturzflug
Die Eskalation des Iran-Konflikts hat massive Auswirkungen auf die Finanzmärkte und den Alltag der Menschen in Deutschland. Während die Spritpreise neue Höchststände erreichen, stürzen Aktien und traditionelle Sicherheitsanlagen wie Gold und Silber ab. Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, bezeichnet die Situation als "größte Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit".
Spritpreise erreichen historische Höchststände
Die Kraftstoffpreise klettern unaufhörlich nach oben. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt kostete ein Liter Diesel am Sonntag 2,306 Euro – nur noch knapp über einen Cent vom Allzeithoch entfernt. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich auf 2,085 Euro. Verglichen mit dem Zeitpunkt vor Kriegsbeginn ist Super heute mehr als 30 Cent teurer, Diesel sogar 56 Cent.
Die Koalition aus Union und SPD hat zwar ein Spritpreis-Paket in den Bundestag eingebracht, das Tankstellen künftig nur noch einmal täglich um 12.00 Uhr Preiserhöhungen erlaubt, während Preissenkungen jederzeit möglich sein sollen. Doch Experten bezweifeln, dass diese Maßnahme tatsächlich preisdämpfend wirken wird.
Ölpreisschock trifft Wirtschaft und Verbraucher
Der Nordsee-Rohölpreis ist inzwischen um 57 Prozent gestiegen, wobei ein Barrel Brent am Montagmorgen bei 113,45 US-Dollar gehandelt wurde. Heizöl erreichte den höchsten Stand seit November 2022. Die angespannte Lage an der strategisch wichtigen Straße von Hormus verschärft die Krise weiter.
Nach Drohungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, Energieanlagen im Iran zu zerstören, falls das Land die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden vollständig öffnet, reagierte der Iran mit der Gegenandrohung einer vollständigen Schließung der Wasserstraße bei amerikanischen Angriffen auf iranische Kraftwerke.
Aktienmärkte im freien Fall
Der deutsche Leitindex Dax setzte seine Talfahrt zu Wochenbeginn fort und verlor gut zwei Prozent auf 21.870 Punkte. Damit rutschte er erstmals seit dem Zoll-Schock von Donald Trump im April 2025 unter die Marke von 22.000 Punkten. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran hat der Dax bereits gut 13 Prozent eingebüßt.
Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor am Montag 1,6 Prozent, während in Asien noch deutlichere Kursabschläge verzeichnet wurden. Höhere Energie- und Transportkosten treffen zunehmend auch andere Lebensbereiche und Unternehmen, was Ökonomen zu Prognosen einer deutlich anziehenden Inflation und eines Dämpfers für die Konjunkturerholung in Deutschland veranlasst.
Gold verliert Status als sicherer Hafen
Die Preise für Gold und Silber sanken erneut kräftig. Eine Feinunze Gold kostete im frühen Handel etwas mehr als 4.300 Dollar – vier Prozent weniger als am Freitagabend und weit entfernt vom Januar-Höchststand über 5.000 Dollar. Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hat der Goldpreis mehr als 18 Prozent eingebüßt.
Noch drastischer ist die Entwicklung bei Silber, das sich seit Kriegsausbruch um mehr als 30 Prozent verbilligte. Hintergrund ist das schwindende Vertrauen in sinkende Zinsen sowie die Erwartung, dass die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank in diesem Jahr die Leitzinsen erhöhen werden. Zudem bremst der aktuelle starke Dollar die Nachfrage nach den in Dollar gehandelten Edelmetallen.
Experten warnen vor langfristigen Folgen
Marktstratege Stephen Innes von SPI Asset Management vergleicht die Situation an der Straße von Hormus mit einem Strohhalm, durch den das gesamte System atmen müsse. "Es geht inzwischen weniger um Einzelereignisse als die schiere Länge des Konflikts", betont er. Besorgniserregend sei der gemeinsame Rutsch von Aktien, Anleihen und sogar des Goldpreises.
Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners ergänzt: "Die Lage ist so unsicher wie noch nie seit dem Beginn dieses Krieges. Die Panik, die lange Zeit nicht vorhanden war, frisst sich jetzt in die Märkte und in die Kurse." Die Instabilität baue sich langsam auf, während das Geld nicht rotiere, sondern schlicht abgezogen werde.
Alles hänge nun vom weiteren Verlauf des Iran-Kriegs ab, insbesondere von der Entwicklung an der strategisch kritischen Straße von Hormus. Die Kombination aus explodierenden Spritpreisen, einbrechenden Aktienkursen und dem Verlust traditioneller Sicherheitsanlagen wie Gold stellt Verbraucher und Anleger vor bisher ungekannte Herausforderungen bei der Sicherung ihrer Ersparnisse.



